Murphy’s Law

“Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen.”

Scheisse, einfach nur richtig scheisse. Anders kann man es nicht ausdrücken, außer vielleicht mit einer Unmutsbekundung mit drei Buchstaben. Heute hatte ich also meinen ersten Renndefekt, und der war sogleich auch ziemlich definitiv. Sometimes you eat the bear and sometimes, well, the bear fucks you up.

Dabei hat eigentlich alles gut angefangen. Ich hatte ausreichend geschlafen, die gestrige 45 minütige Laufeinheit im Regen hatte sich gut angefühlt, ich war sogar noch gut aufwärmen und einschwimmen und harrte der Dinge, die die nächsten 8,5 h kommen mochten.

Wir Profis sind 15 min vor den Age-Groupern gestartet, womit wir ziemlich auf uns alleine gestellt waren. Verstecken in einer großen Schwimmgruppe war da nicht drin. Vorne weg lief der Pete Jacobs Express mit Luke Bell, Scott Neyedli und Patrick Vernay im Schlepptau, dann eine kleine Verfolgergruppe sowie eine weitere, an die ich leider den Anschluss zu Beginn verpasst hatte. Das Tempo in meiner Gruppe fiel mir sehr leicht. Wir waren gefühlsmäßig nicht schnell, aber ich hatte wenig Lust, alleine die Lücke nach vorne zu schließen und dabei komplett blau zu gehen. Lieber locker mitschwimmen und Glykogen sparen, war meine Devise. Nach der Wende habe ich mich dann aber doch an die Spitze der Gruppe gesetzt und versucht, das Tempo zumindest nicht komplett einschlafen zu lassen – Exit nach 53:25. Fast 6 min hinter einem der schnellsten Schwimmer im IM-Zirkus gehen ok. Vor allem war ich wirklich entspannt, anders als in Kärnten, wo ich mit gleicher Zeit ziemlich Schlumpfen-blau an Land gespült wurde.

Dadurch ging ich die erste halbe Stunde am Rad auch bewusst schneller an (272 W Schnitt), schließlich hatte ich mir einiges an Energie gespart und wollte die Lücke nach vorne schließen. Danach versuchte ich mich aber auf 240 W Schnitt zu drosseln. Executive Director Dieter meinte, ich solle das heutige Rennen als Versuchsballon nutzen, mich am Rad zurückhalten und dann schauen, was dafür beim Marathon geht.

Nun, soweit sollte es leider nicht. Knapp nach Durchgang der ersten Runde auf dem Weg hinaus aus Busselton macht es plötzlich “PFFft”. Die Geschwindigkeit, mit der die Luft aus meinem Hinterreifen schießt, läßt mich ahnen, dass mein Tag gelaufen ist. Das ist was Großes.

Ich bleibe stehen, pfeife den Vittoria Pannenspray hinein und der Reifen nimmt auch einigermaßen Luft, wenn man von den Cum-Shots absieht, die aus dem Loch schießen. Finger draufhalten und irgendwie schaffe ich es, dass der Reifen eingermaßen ca. 6 bar hält. Ich fahre weiter. Drauße am Kurs gibt es zwei Shimano-Service-Stellen mit Material und Ersatzlaufrädern. Leider bin ich am denkbar ungünstigsten – weil entferntesten – Punkt.

Doch nicht einmal diese 15 km schaffe ich. Nach 500 m fahre ich wieder auf der Felge. Scheinbar ist das Loch im Schlauch des Schlauchreifens so groß, dass der Dichtschaum in den Zwischenraum zwischen Mantel und Schlauch entweicht.

Ich habe dann noch versucht drei Kilometer weiterzufahren, weil ich nicht aufgeben wollte. Busselton liegt ja nicht gerade ums Eck von Klosterneuburg, und KPR-Punkte wollte ich auch holen, geschweige denn Preisgeld. Irgendwann musste ich dann aber einsehen, dass es wohl wenig Sinn macht, weiter herumzueiern und mit zusätzlichen 20 min Rückstand in den Kampf um die Goldene Banane einzusteigen. DNF, sehr leinwand. Oder um es mit einem Stadler zu sagen: “Änassa fledd Teia! Fakkin!!!”

Immerhin, man kann dem auch etwas Positives abgewinnen. Ich weiß zur Zeit nur noch nicht, was. Vielleicht, dass ich mich heute nicht komplett ausgedämpft habe und somit morgen wieder voll ins Training für 2011 einsteigen kann, anstatt ein Monat lang kaputt zu sein. Keine Ahnung, im Moment ist das alles einfach nur g’schissen, um das Kind beim Namen zu nennen.

Man könnte die Umstände, die zum DNF geführt haben, durchaus als Ironie des Schicksals bezeichnen. In fünf Rennsaisonen, mit sicher 50 Triathlon-Bewerben, hatte ich keinen einzigen Defekt. Bei allen 8 Ironman- und 4 Mitteldistanz-Bewerben hatte ich immer einen Ersatzreifen und eine Patrone dabei. Ich misstraute dem Vittoria Pannenspray und wollte im Falle des Falles Gewissheit, sprich gleich einen neuen Reifen auf der Felge, haben. Dieses Mal hatte ich jedoch auf die Mitnahme eines Ersatzreifen verzichtet, weil – ich hatte berichtet – Emirates mir nur 30 kg Gepäck inkl. Radkoffer und Rad gestattet hatte und ich folglich mit sehr leichtem Gepäck nach Australien reisen musste. Stattdessen würde ich mir schlicht vor Ort ein Notfall-Pannenspray kaufen.

Meine Rechnung lautete: Bisher 50 Rennen ohne Defekt, ergibt eine maximal mögliche Defektquote von <2%. Von diesen 2% sind die meisten Reifendefekte – geschätzt 1,8% absolut. Das Gros der Reifendefekt entfällt auf kleine Einstiche und Schleicher (meiner persönlichen Erfahrung nach etwa 70%), welche sich mit dem Spray schnell und leicht reparieren lassen.

Daraus folgerte ich eine Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen des Worst-Case (nicht mit dem Spray reparabler Reifendefekt) von 0,018 x 0,3 = 0,006 oder 0,6%. Dass dies alles dann auch noch ausgerechnet weit weg vom Service-Stützpunkt passiert, schreibe ich einfach mal Murphys Gesetz zu.

Ich gehe jetzt mal in die Frustrationsbewältigungstherapie…

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32 Antworten zu Murphy’s Law

  1. Scheiße! Mehr kann man dazu wirklich nicht sagen :-(

    Aber vielleicht…. vielleicht ist doch was positives zu finden…. wer weiß wie es sich ausgegangen wäre wenn du den Marathon gelaufen wärst… hättest du dann die nächsten Wochen wieder nicht laufen können… man weiß es nicht… hättest, wärest, eventuell, vielleicht… alles Shit, wie bei mir mit Köln.

    Es tut mir echt leid Max :-(

    • Rocco schreibt:

      nö, ging mir echt überraschend gut beim laufen. war noch am vortag 45 min laufen und hab mich echt gut gefühlt. das war vermutlich das erste rennen, wo ich mental auf drei disziplinen mit einem guten finish eingestellt war, und nicht auf “bissi plantschen zum aufwärmen – radrennen – nach hause joggen”.

  2. kopf hoch! besser jetzt ein defekt, als im herbst auf kona

    • Rocco schreibt:

      für Kona muss ich mich erst mal qualifizieren – mit den fehlenden KPR-Punkten wird das umso schwerer. Aber ist eh fraglich, ob es Sinn macht so jung ins Profirennen auf Hawaii einzusteigen. Enorme Kosten kurzfristig und vermutlich erhebliche Behinderung der Leistungssteigerung langfristig, weil mich zuviele IM-Rennen innerhalb eines Jahres einfach ausbrennen. Muss mehr an meinem Grundspeed arbeiten, um damit auch wieder auf der Langdistanz besser zu werden.

  3. Stella schreibt:

    :-( ur schade… tut mir echt leid.

  4. Rocco schreibt:

    naja, Kona wird’s so ned spielen – hab heute wichtige Punkte liegen lassen :-(

    @ Anja: Well, hab mir heute echt im Schwimmen und Radfahren was fürs Laufen zurückhalten wollen und war zuversichtlich, nen guten Marathon zu laufen :-/

  5. Thomas Vonach schreibt:

    Servus Max, scheiße gelaufen, aber ein weiterer Beweis, daß den Pannenspray vergessen kanst. Funktioniert genau dann nicht, wenn er sollte…siehe Yvonne Singapore 2009.
    Reifen mit Tufo-Milch fahren und den hinnigen Reifen gleich wechseln, wenn´s nötig ist. Den knallst du eh in 2min. drauf mit deinen technischen Skills…. Gute Erholung und eine erfolgreichen Neuangriff wünschen dir… Tommy & Yvonne

    • Rocco schreibt:

      Ich weiß, sage selbst immer, dass der Spray ein Dreck ist. Aber bei DEM Loch hätte die Tufo Milch nix geholfen. Ist ja die gleiche Latex-Pampe wie im Spray. Das Loch im Mantel (ich hab den Reifen nach dem Rennen zerlegt und untersucht) war so dick wie ne Kugelschreibermiene.
      Normal hab ich immer den Ersatzreifen dabei, aber dieses Mal halt ned, wegen Übergepäck…

  6. Schade drum. Beneide Dich trotzdem um Sonne und Wärme in Australien.
    Liebe Grüße aus dem saukalten, winterlichen Graz.

    Christian

    PS. Mir gefällt Deine neu Web-side.

  7. jordi schreibt:

    Shit happens … aber dafuer hast du wieder 49 Rennen ohne flat tyre gut … Kopf hoch, und eine gepflegte Portion Hopfenbluetentee lindert nicht nur die Falten auf der Stirn!

  8. don tango schreibt:

    mörder-kacke! :(

    meine schlussfolgerung nach deiner panne u. meiner in zofingen -> ein anderer reifen. auch wenns nur psychologisch ist…

    gute besserung u. schau dass du noch genug teint für die dunklen monate in europe aufbaust.

    bussi

    • Rocco schreibt:

      War ein Veloflex Carbon, kein Vittoria CX. Hier in Oz ist einfach ein Haufen Mist auf der Straße. Flaschen werden nicht recyclet, sondern am Highway aus dem Auto geworfen.

  9. Hallo Max!

    Echt SCHEISSE, aber hat wohl so sein!! Kopf hoch und 110% für die nächsten Trainingseinheiten. Ach ja, vielen Dank für die wertvollen Hawaiitipps!!!
    ALLES Liebe Markus

  10. Was soll man da sagen? Im nachhinein ist man immer klüger und ein fehlender Reifen ist halt einfach ein fehlender Reifen. Ärgern ist aber natürlich angesagt auch wenn du nichts falsch gemacht hast. Wenn auch für Kona Punkte fehlen, ist es doch wichtig, dass die Vorbereitung für die nächsten Wettkämpfe passt und du eine neue Basis für’s Schwimmen erarbeiten konntest. Das kommt sicher noch später positiv zurück und Pech verwandelt sich in Glück.
    Also, halt die Ohren steif, geniesse die sonnigen und warmen Tage in Australien und trainiere gut weiter. …. dann klappt’s auch mit dem nächsten Anlauf.

    • Rocco schreibt:

      Danke! Ja, ist eh das einzig Positive, dass ich heute Abend wieder an der Gold Coast bin und morgen mit der Squad schwimmen kann. Werde das verbleibende Monat nutzen, bevor es wieder kalt wird.
      Was mich halt ziemlich anzipft, ist weniger der Umstand, dass ich gescheitert bin, sondern, dass ich erst gar nicht um eine Platzierung kämpfen konnte. ARRGH

  11. mexx schreibt:

    so ein scheiss. vorallem für die punkte für hawaii.
    abhaken, und wie du schon geschrieben hast, “freu” dich das du weiter in australien trainieren kannst. hier ist es f***** cold.
    auf das es der letzte flat teia war

    glg mexx

  12. Andi schreibt:

    Mist. mein Beileid. Die Sehne wenigstens wieder 100% heil?

    lg,a.

    PS: Umstieg auf wordpress ist sicher nicht die schlechteste Wahl (ad-ins für facebook, etc.)

  13. matt schreibt:

    Papa Schlumpf sagt, um zu siegen mußt du auch verlieren können. Und nun ab Reserveschlauch kaufen.

    • Rocco schreibt:

      naja, ich glaube nicht, dass das Rennen zu retten gewesen wäre, wenn ich den Schlauchreifen demontiert, das Basetape abgezogen, rundherum die Innennaht aufgetrennt, Reserveschlauch eingelegt, den kompletten Reifen wieder zugenäht, Band aufgeklebt und den Reifen aufgeklebt hätte ;-)

  14. Sebi schreibt:

    Shit happens

    Aber passiert dir nicht nochmal.

  15. Schlumpfine schreibt:

    Hi Max,

    gerade entdeckt, dass du bei Flowsports als King of Endurance nominiert wurdest. Viel Glück dafür und alles Gute für deine weiteren Ziele!

  16. muzze schreibt:

    hi, danke für deinen comment. ich werde das wohl auf der kurzbahn abreissen, allerdings kann ich nicht beeinflussen wie an dem Tag geleint ist (das Becken hat exakt 50x25m). Die ortsansässigen Schwimmer spliten das Set immer in 10x10x100m mit 1min Serien-Pipi-Keks-Trink-Pause. Dafür gönnen die sich nur 4 Stück in Kraul, die anderen 6 in Brust, Rücken und Schmetterling. Mal sehen wie wir das machen werden, aber sicher nicht 100x durch in 1:30 sonst wird man ja ganz Matsche in der Birne und von den Armen gar nicht zu sprechen.
    Grüße aus dem verschneiten Tacxmanien in den Sommer.

    • Rocco schreibt:

      Ich bin heute mal testweise das kleine “Big Balls Award” Programm geschwommen:

      800-700-600-…-200-100 u. 100-200-…-700-800 machen 7.200 m. Dann noch 4 x 200 mit bisschen Technik und ausschwimmen, um die psychisch wichtige 8 bei der Meterleistung zu erreichen. War zwar nicht das spannendste Programm, aber immerhin schaffbar. Hab mir nur zwischenzeitlich ein Cola holen müssen, sonst wäre ich einfach abgesoffen. Mein erster drohender Hungerast beim Schwimmen…

      Ich denke, 10.000 m sind machbar mit den kleinen Kekspausen, wenn auch kein Kinderfasching. Einmal pro Woche brauch ich das sicher nicht…

  17. Triwig schreibt:

    war ein gutes schwimmtraining (der IMWA)! kopf hoch, andere werden von tsunamis überrollt, so gsehn: gibt schlimmerers. Hauptsach bei den TAGEN DER WAHRHEIT hält die Miachn! ;-) lg ans andere ende der welt (was bei uns so geschieht: war grad Trainingslager SCHILANGLAUF, mit echtem Schnee und so… da können die aussies brausen gehen ;-) )

  18. dendelion schreibt:

    Hallo Max!
    Ich nehme an, Du bist über den Rückschlag schon hinweg und siehst Deiner sonnigen Zukunft entgegen. Was sind die Pläne für die neue Saison? Wie läuft das Training? Lass uns Anteil haben, am glamourösen Leben eines Profis.
    Alles Gute, Harald

    • Rocco schreibt:

      Hi Harald,

      Ja, eh alles schon längst verdaut. Hab dann im Dezember ne leichte Pause gemacht, um wieder hungrig aufs Radtraining zu werden und auch von der ganzen swim-bike-run Sache etwas kritische Distanz zu gewinnen. Wobei Pause relativ ist, bei 25-30 km hartem Schwimmtraining in der Squad vom Denis Cotterell. Gleich nach der Rückkehr gings weiter auf den Ballermann, Training ist wieder voll am Laufen. Deswegen werd ich wohl erst morgen wieder zum Schreiben kommen

  19. Pingback: Quo vadis? | Max Renko | Profi-Triathlet & Velosoph

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