Home is where the Rad is

Nachdem ich mich mit einem ersten 14tägigen Grundlagenblock auf Mallorca eingerollt hatte, fühlte ich mich bereit, um mit Markus Ressler, Andi Fuchs und mehr als 30 anderen Wahnsinnigen für zwei Wochen nach Lanzarote zu fliegen. Ursprünglich hatte ich mir 2009 nach dem durchwachsenen Ironman ebendort geschworen, nie mehr zurückzukehren, aber die Verlockung einer erstklassigen Trainingsgemeinschaft und warmer Temperaturen war zu groß.

Nun, die Berge sind immer noch steil, der Wind immer noch stark und Schutz davor ebenso noch eine Fehlanzeige. Eine Kassette mit 25 oder 27 Zahn Bergungswinde würde zwar prinzipiell Linderung versprechen, kommt mir aber maximal auf mein neues Simplon Stomp Fully – lieber schwerer Tritt als schweres Rad! Nichtsdestotrotz konnte ich weitere gute Aufbauarbeit für 2011 leisten. Einen ersten harten Testwettkampf am Billardtisch konnte übrigens Andi Fuchs mit einem Frame Vorsprung knapp für sich entscheiden.

So ein Trainingslager bietet aber nicht nur zum Feilen an der eigenen Form hervorragende Gelegenheiten, sondern auch zur Erforschung gruppendynamischer sowie motivationspsychologischer Effekte. Noch mehr Trainingsstunden, noch gefahren, noch weniger Ruhetage als die anderen oder zumindest als geplant müssen es sein. Der Körper ist ein Klotz, der mit Willenskraft geformt werden will, und die Erkenntnisse der Trainingswissenschaft gelten maximal für die anderen! Und bringt man den Puls nicht mehr über 140 Schläge, deutet das doch auf perfekt trainierte Grundlagen hin, nicht? Übertraining – hier wird es Ereignis. Jedenfalls erstaunt es immer wieder von Neuem, wie manch einer trotz anders lautenden Tipps versucht, erforschte Gesetzmäßigkeiten der Trainingswissenschaft zu wiederlegen.

Das kurzfristig eingeschobene Fuerteventura-Trainingslager mit einem guten Kumpel im März war da schon kontrollierter. Nein, wir waren nicht im Playitas, das wäre vermutlich mein Untergang. Nach einem langen Tag ist das Letzte, was ich will, in eine Buffethalle voller Kompressionshosen und FInisher-Shirts zu gehen und erst recht wieder nur über Triathlon und was Lance Armstrong neulich wieder von seinem Lokus getwittert hat zu sprechen.

Also fuhr man nach Morro Jable in den Club Robinson. Also, den Familien-Club, nicht die Gang-Bang-Single-Urlaub-Bude ganz im Süden. Nirgends lernst du mehr über die Abgründe des menschlichen Verstandes als in einem All-Inclusive-Club voller Jungeltern. Sorry, aber auch wenn du mich noch dreimal mit deinem „Ist mein Kind nicht zuckersüüüüß?“ Blick geißelst, sieht dein Fratz noch immer aus wie eine aufgedunsene Kaulquappe. Und wenn du nicht gleich Meter machst und mich zu den Kohlenhydraten lässt, ist nichts mehr mit Liebe, ok?

Ansonsten ist Fuerteventura noch genauso besch… äh… auf einzelne Sinnesreize reduziert wie bisher. Hier gibt’s und wächst wirklich nichts. Der Wind bläst, unterwegs gibt es Millionen kleiner Hügel, dafür aber nahezu keine Cafés, und am Ende des Tages hast du mehr Höhenmeter als verbrannte Kalorien ohne auch nur einen einzigen signifikanten Berg gefahren zu sein. Ein 27er Schnitt, das ist einfach unter meiner Würde und fällt nicht unter „artgerechte Haltung“.

Aber nun wieder zu etwas Ernsterem: Via trinews.at habe ich erfahren, dass ich zusammen mit Michi Weiss und Andi Fuchs den österreichischen Langdistanz-Nationalkader bilde. Im Falle einer Teilnahme an der ITU Langdistanz-WM (das war jetzt nochmal genau was?) in den USA (!) würde man unsere Reisekosten mit stattlichen EUR 200,- subventionieren. Bevor ich jetzt mit meinem Sponsor Merit lange diskutiere, in welche Commodities man diese stattliche Summe am besten investieren sollte, ein paar Alternativ-Vorschläge: einen Gutschein für eine Leistungsdiagnostik; ein Teamtrikot; Mitbenutzung der mitunter unbesetzten ÖTRV-Schwimmbahn in der Südstadt; Zuschuss der Nachwuchsförderung; die Bezahlung zusätzlicher Dopingkontrollen; ein geförderter Schwimmworkshop (schließlich hat man mit Robert Michlmayer und Gerald Dygryn zwei mehr als fähige Kräfte in den Reihen); Spende an eine karitative Einrichtung, eine Runde Gratisgetränke bei der „Nacht der Athleten“ im Rahmen der „ Tage der Wahrheit “; die Goldene Wander-Anstecknadel des ÖTRV für die längste Marathonzeit im Rahmen des IM Austria; ein Panini Sammelalbum mit allen Helden und Unikaten der österreichischen Triathlon-Szene.

Dieser Beitrag wurde unter Pain & Gain , Rocco Talks veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink .

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Melde Dich bitte bei WordPress.com an, um einen Kommentar auf deinem Blog zu schreiben.

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. ( Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. ( Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s