Tage der Wahrheit: 10.000 m Lauf

Das Finale auf der 400 m Laufbahn des USZ Rosenhain versprach spannend zu werden: Faris im Zwischenklassement auf Rang 1, ich nach dem EZF-Sieg 00:20 dahinter, und Swen Sundberg nochmal 00:15 dahinter.

Dass Faris wohl schneller laufen kann als ich, war zu erwarten. In Kona hat er eine Zeit um die 2:50 h stehen, ich eine 3:09 h. Das wäre kein Fotofinish geworden. Auch sein Team kollege Swen Sundberg hat laut seiner Homepage eine 31:50 zu Buche stehen. Meine 35:42 von 2009 würde wohl keinem der beiden Angst machen, auch wenn heuer im Training viel weitergegangen ist, und ich es mir jeden Dienstag Morgen mit Philipp bis zum Erbrechen besorgt habe. Blieb also nur die Hoffnung auf die üblichen +20%, die ich nur mobilisieren kann, wenn eine Startnummer am Rücken pickt.

Das Feld war passend zum Zwischenstand nach dem Radfahren auf drei Läufe aufgeteilt, jeder davon wurde in der Gundersen-Methode gestartet. Wettertechnisch hatten wir im finalen Lauf nach Sonne im ersten und Weltuntergang im zweiten Heat echtes Glück: Leichter bis kein Regen, Wind detto, perfekte Bedingungen also.

Faris stiefelte gleich einmal los wie ein Berserker und muss mir bereits auf den ersten 400 m sechs Sekunden aufgebrannt haben. Das Zeitfahren dürfte ihm weniger geschmeckt haben, jedenfalls war er anscheinend nicht darauf aus, irgendwelche Gefangenen zu machen. Seine bei der Pressekonferenz angekündigten sub-32 min wollte er zweifellos umsetzen. Ich dahinter hatte mir einen Schnitt von 3:20/km vorgenommen. Das wären leicht zu stoppende 1:20/Runde und würde mit Sicherheitspolster eine Fabelzeit von knapp unter 34 min ergeben. Frisch konnte ich im Training 6 x 1.000 m mit gleich langer Pause in 3:00 laufen, angeknockt nach zwei harten Wochen immer noch in knapp unter 3:10. Die 3 x 2.000 m mit langer Pause auf Fuerte hatte ich zwar nur in 6:45-6:50 geschafft, aber einige rmaßen frisch und mit einer Startnummer am Trikot müssten sich 10 x 1.000 m mit ohne Pause schon irgendwie ausgehen.

So war jedenfalls der Plan, den ich wie üblich beim Start bereits wieder über Bord geworfen hatte. Swen würde mich wohl binnen 2 km einholen, ich würde versuchen eine Runde mitzugehen, mit einem lauten Knall explodieren und dann schauen, dass ich den Rest irgendwie überlebe. Vielleicht kommt dabei eine neue PB raus, vielleicht auch nur der sterbende Schwan. Pas de cadeaux.

Erste Runde in 1:18. Gratuliere, du Vollidiot. 800 m, jetzt kommt sicher gleich der Sundberg. Das Stapfen, sind das meine Schritte, oder seine? 1.000 m, hier steht Step und blitzt wie schon in den Tagen zuvor , was die Nikon hergibt. Gut so, jetzt sehe ich noch einigermaßen gut aus. 2.000 m, und ich sehe aus wie die Rotznase Johann Mühlegg. Wer denkt, Spinnweben wären die belastbarsten Fäden, hatte noch nie Rotz, Sabber und Galle am Kinn baumeln. 3.200 m. Fuck, gerade mal ein Drittel. Bisher konstant 1:19er Runden gelaufen. Der Verkehr auf der Runde nimmt zu. Jedes Überholmanöver in der Kurve kostet mich eine Sekunde extra. Aufholen unmöglich, allerletzte Rille. Wo bleibt der Sundberg? 4.000 m geschafft. Gerade mal zehn beschissene Runden. Rundenstoppen ist eigentlich unnötig, kann eh nicht schneller als Vollgas. 1:21, ein kleiner Hänger. Los, vorbei. Die Team-Homies feuern mich an, ich verstehe keinen einzigen. Faris zieht davon, Swen verliert. 35, 40, 45 Sekunden. Aber verdammt, 3.600 m noch. Wenn ich jetzt eingehe, ist das alles weg. 20 Runden geschafft, Tempo wieder 1:19. Eigentlich peinlich, Haile läuft vermutlich nach dem Marathon zur Dusche schneller. Irgendwann wird der Dreck schon vorbei sein.

33:05. Fast eine Minute von Faris kassiert, aber neue Bestzeit, und weit besser als erwartet und Platz Zwei abgesichert. Saugeil!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Tage der Wahrheit waren wieder ein ganz großes Spektakel. Wie immer drei Tage Event, Party und gute Laune, getoppt mit einer Stunde Ernst pro Tag. Da ist jeder glücklich und zufrieden nach Hause gegangen, und es macht mich schon Stolz, Teil eines so geilen Vereins wie der SU Tri Styria zu sein.

Auch in sportlicher Hinsicht wird der Wettkampf jedes Jahr hochwertiger. 2009 gab es genau eine Schwimmzeit unter 20 min und eine Laufzeit unter 35 min. 2010 waren es bereits sieben bzw. vier, und heuer neun respektive sieben. Toll auch, dass sich Faris und sein Team frei von jeglichen elitären Star-Allüren dem Bewerb stellen.

Denn im Grunde genommen kann er nicht gewinnen, nur verlieren: Als Weltmeister erwartet jeder den Sieg von ihm, und auch nur das geringste Scheitern in einer der Teildisziplinen (so hat bleistiftsweise Christoph Lorber die schnellste Laufzeit erzielt) wird von den Zaungästen wie eine herbe Niederlage gefeiert werden.

Für mich jedenfalls war es eine große Ehre, gegen Faris im direkten Vergleich antreten zu können – und von IHM Gratulationen zu meinem EZF-Ergebnis zu bekommen.

Nur bei der Sektdusche hört sich jede Freundschaft auf ;-)

Aber wir befänden uns nicht im Studio 69, gäbe es an dieser Stelle nicht auch kritische Töne. So waren die Tage der Wahrheit heuer auch offizieller U23-Kadersichtungswettkampf. Leider hat es bis auf Andreas Kopeinig und Lydia Bencic keiner der vom ÖTRV so massiv geförderten Nachwuchsathleten geschafft, seinen Allerwertesten nach Graz zu bewegen. Ob es allein an den (für Österreich) illusorisch hoch angesetzten Limits (Herren: swim 18:30, run 33:00; Damen: swim 20:15, run 37:45) lag, wage ich zu bezweifeln. Aber halb so wild, schließlich hat man es auch von offizieller Seite nicht geschafft, einen sportlichen Abgesandten in die grüne Mark abzustellen.

Auch das totale Negieren des Radfahrens kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wenn man auf 40 km fünf Minuten kassiert, müsste man im Radsport die 20 km bis zum Hotel in den Radschuhen gehen. Und im Wettkampf das erste Mal überhaupt auf einem Zeitfahrrad zu sitzen, ist schlichtweg haarsträubend unprofessionell. Punkt.

Und unten abgebildeter Hobby-Athlet ist nebst Mitorganisation der Bewerbe und bleischwerer Boxhandschuhe schneller als so mancher Kaderathlet (34:41) gelaufen.

Dieser Beitrag wurde unter Fame & Glory , Rocco Talks , Triathlon , Velosophical veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink .

6 Antworten zu Tage der Wahrheit: 10.000 m Lauf

  1. christoph schreibt:

    na gratuliere, des is ja a besonders gelungenes photo vom anfeuern! :-D ka wunder, dasst do so schnell´s geht vorbeiläufst! ;-)

  2. Mr. Pi schreibt:

    Gott sei Dank hab ich auf 40 km nur 03:09 min kassiert und durfte daher zumindest barfuß mit dem Bus nach Hause fahren!
    Gratuliere nochmals, Chapeau vor Deiner Leistung!!!
    Und ein wie immer gelungener textlicher Erguss.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Melde Dich bitte bei WordPress.com an, um einen Kommentar auf deinem Blog zu schreiben.

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. ( Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. ( Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s