3/19-IMDFTSAAP-WM: Anmeldung öffnet bald!

Holy moly, mein letzter Eintrag dürfte einen Nerv getroffen haben. Schon lange nicht mehr ist mein Posteingang derart schnell mit Emails voll Zustimmung oder Ablehnung angeschwollen. Sogar in den kenianischen Kriegerrat bin ich aufgenommen worden. Jedenfalls dürfte es eine gewisse Nachfrage für die 3/19tel-Iron-Distanz für taubstumme, alleinerziehende Albino-Polynesier mit Geburtsdatum zwischen 28.2.XXXX und 1.3.XXXX geben.

Der das Fass zum Überlaufen bringende Tropfen war eine Aussendung einer Athletin, sie wäre Steirische Meisterin geworden. Was unterschlagen wurde, war die Tatsache, dass sie freilich “nur” Altersklassenmeisterin wurde, und das als einzige Starterin. Ich kenne die Sportlerin, war mit ihr auf Trainingslager und weiß, dass sie entschlossen und streng trainiert. Anstatt sich aber über ihren Fortschritt auf dem Weg zu ihrem Saisonhöhepunkt zu freuen, hat sie mit Halbwahrheiten ein schlechtes Licht auf eine eigentlich gute Leistung geworfen.

All das ist aber eigentlich nur nebensächlich und bloß der Auslöser für etwas, das sich tief durch den österreichischen Sport zieht. Kein anderes Land schafft es, laufend sechs Österreicher unter den besten fünf zu platzieren und sich zudem wichtiger zu nehmen, als es eigentlich ist. Wieweit da gekränkter Stolz nach dem Verlust der globalen Bedeutung seiner Habsburgermonarchie mitspielt, darüber kann ich nur rätseln.

Fakt ist, dass Bayern mit 12,5 Mio. Einwohnern fast die Hälfte mehr hat als Österreich. Dennoch schafft es dort EIN Triathlonverband, sich um den Sport zu kümmern. Wir haben hier NEUN Landesverbände… Wir haben den Vorarlberger Ironman-Rekord und – richtig! – zig unnötige Landesmeisterschaften. Ich hab als Mountainbiker schon NÖ U-17-Landesmeistertitel geholt ohne zu wissen, dass es sowas überhaupt gibt. Nicht selten hatte ich einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg, da einziger Niederösterreicher am Start. Richtig, der Champagner floss in Strömen und Mütter nannten ihre Erstgeborenen folglich “Rocco”.

In der Steiermark, homebase meines Vereins Tri Styria, haben Landesmeisterschaften scheinbar eine noch größere Bedeutung. Ihre Zahl ist jedenfalls inflationär hoch, und nicht selten kann man froh sein, wenn man nicht alleine am Podium steht. Anstatt das alles mit Augenzwinkern zu sehen, reden die teilnehmenden Athleten aber auch davon, als ob es um den WM-Titel ginge.

Think big!

Damit kommen wir zur eigentlichen Misere im österr. Sport, und dem Grund, weshalb “wir” in vielen Sportarten so schlecht sind: Jeder ist schnell mal irgendwas und irgendwer. Ob Kommerzialrat, Hofrat oder steirischer MTB-Hillclimb-Masters-Meister. Lebt man lange genug in diesem Denkschema, fängt man irgendwann an zu denken, dass man auch wirklich etwas erreicht hätte, und lehnt sich zufrieden zurück.

Stop! Think big! Um wachsen zu können, muss man erkennen, dass man nichts ist und nichts kann. Ich muss es am besten wissen. In den letzten drei Wochen war ich nach meinem Staatsmeistertitel über die Mitteldistanz nicht nur zur Verleihung des Steirischen Landes-Sportehrenabzeichens in Silber geladen, sondern auch zur Ehrung der Grazer Staatsmeister 2010 . In zig Sportarten und Kategorien wurden diverse Sportarten und ihre Sportler geehrt, es gab riesen Buffets für hunderte Menschen und man verbrannte jede Menge Steuergeld, das man wohl besser auch zur Sportförderung verwenden hätte können. Müßig zu sagen, dass wir alle im Vergleich zur Weltspitze in den jeweiligen Sportarten IRGENDWO waren. Aber nein, wir sind eh ur super und so…

Es darf nicht das Ziel sein, bei der Ironman-WM “Bester Österreicher” zu werden. Ich hab selbst mal in dieser Schiene gedacht. Wer so denkt, hat schon verloren. Man muss in das Rennen gehen mit dem Vorsatz, so viele zu “töten” wie möglich. Zu Wasser, am Rad, beim Laufen – keine Gefangenen. Besser mit wehenden Fahnen untergehen, als sich in das Rennen um den schnellsten Vorarlberger/Steirer/Österreicher zu werfen. Ich wäre lieber Zehnter der Half-Ironman-WM als österr. Staatsmeister über diese Distanz. Dennoch weiß ich, dass letzteres hier in Ö weit bedeutender angesehen wird.

Österreichische Staatsmeisterschaften werden in den meisten Disziplinen meines Wissens nach nicht ausgetragen, wenn sich nicht eine gewisse Mindestanzahl (nennen wir es “statistisch relevante Stichprobengröße”) an Startern findet. Man muss sich etwa bei der Kurzdistanz-Staatsmeisterschaft fragen, wieso sich beim Staatsmeisterschaftsbewerb gerade mal 41 Hansln klassieren, zwei Stunden später beim normalen, gleich langen Kurzdistanztriathlon aber viermal so viele Sportler ins Rennen gehen. Oder sich überlegen, wieso derart viele gefeierte Landesmeister im Staatsmeisterschaftsrennen die Nerven wegwerfen und aufgeben.

Wer rätselt, warum der Österreichische Fussball so schlecht ist, sollte sich fragen, ob brasilianische Straßenkinder ebenso wie manche österr. U-17 Kicker vierstellige Monatsgehälter bekommen.

Nein, mit Elitarismus, Neid bezüglich Fördergeldern oder dem Hinpecken auf Amateure hat das alles nichts zu tun. Ich sage: Weg mit den ganzen Bezirksmeistertiteln und Schikurs-Medaillen, die wahre Leistungen entwerten, und hin zu wenigen bedeutenden, dafür härter umkämpften Rennen. Langfristig wird nur so der Sport profitieren.

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14 Antworten zu 3/19-IMDFTSAAP-WM: Anmeldung öffnet bald!

  1. Flo schreibt:

    Wos sui denn “Elitarismus” bitte für a Wort sein?!?! ;-)

  2. Frenchman schreibt:

    Ganz bei Dir was das Leistungssport betrifft Max. Ich finde es anderseits nicht schlecht, die Menge der Hobby Sportler, die für den Sport auch nicht unbedeutend sind, mit welche Auszeichnungen auch immer zu “motivieren”, wenn diese sich die teueren “train for …” und “Finisher” T-Shirt & Anmeldekosten der mächtigen WTC & Co. nicht leisten können oder wollen. Wenn ein Leistungssportler sich damit zufrieden gibt, “blenden” lässt und nachher mit seinem Vereinsgold protzt ist er selber Schuld wenn er trotzt Anerkennung Spot erntet. Dass die Verbände oder Landesregierungen aus diesen Pseudotitel eine große Sache machen und unser Steuergeld oder das Geld von Sponsoren verschwenden hat mit Sport leider nicht mehr zu tun und ist reines Populismus und Politik! Habe aber leicht zu reden mit meinem “nicht österreichischen” Reisepass :-) Weiter so Max :-) Mit den besten trainieren, sich die Herausforderung & die Gegner stellen und respektieren, alle erbarmungslos panieren und deine Meinung sagen.

    • Rocco schreibt:

      Ich sage: Weg mit dem ganzen Landestitel-Gesöcks, hin zu einer aufgewerteten Staatsmeisterschaft. Und auch dort sollte man ausmisten: Eine Duathlon-Meisterschaft (interessiert DIE irgendwen überhaupt?), eine ÖSTM Kurzdistanz, eine ÖSTM über Mittel- oder Langdistanz. Langdistanz vielleicht nicht, da die meisten den hohen körperlichen Aufwand für den Titelkampf nebst den normalen IM-Bewerben scheuen und deswegen ohnehin nicht antreten.
      Der Fuxi reißt dort jedes Jahr alles nieder, und keinen interessiert’s, weil es an ebenbürtigen Gegnern mangelt, die er in die Erde reiben kann. Schade für ihn, schade für den Sport. Aber bevor ich unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Neusiedler Tümpel hüpfe und durch eine öde Landschaft koffere, starte ich lieber bei der Trimotion in Saalfelden.

      Jedenfalls, wenn es zB nur noch diese eine Kurzdistanz-Staatsmeisterschaft (ohne die ganzen Landesmeisterschaften) gibt, wird diese eine deutliche Aufwertung erfahren. Jeder, der irgendwie “Ruhm” oder irgendwelche Förderungen will, wird dort an den Start gehen müssen. Und was gibt es besseres als ein Rennen mit hochmotivierten Athleten, die bis an die Zähne bewaffnet bis aufs Letzte fighten? DAS ist das Überleben des Stärkeren. Nicht die derzeitigen Landes-Witzveranstaltungen oder auch die derzeitigen ÖSTM. Ein Giglmayr wird nicht auf der Kurzen starten. Ein Michi Weiss war letztes Jahr bei der MD-ÖSTM leider zeitgleich 50 km entfernt in Walchsee am Start. Nur zu gerne hätte ich ihn dabei gehabt. Genauso wie einen Höfer, Niederreiter, Kohl,…

      Frodeno und Unger können es sich leisten, nicht bei den DM an den Start zu gehen. Können es die Österreicher?

  3. Günther schreibt:

    Also der Vorarlberger Ironman Rekordler TVVV ist sowieso eine Nummer für sich. Leben und trainieren als PRO, starten als AGEGROUPER… aber ja, so macht sich halt jeder selbst eine Freude mit seinen Leistungen!
    Dein Geschreibsl bekommt ein “Gefällt mir” von mir!!!

    • Rocco schreibt:

      Naja, ich glaub schon, dass Thomas als Manager von YVV eine Menge Organisatorisches zu tun hat, und allein von der Organisation meiner Hawaii-Trips weiss ich, wie zeitraubend und nervenaufreibend das sein kann. Dazu noch Verhandlungen mit Rennveranstaltern etc.
      Kann man das mit einem 50 h Schichtdienst vergleichen? Wohl kaum. Aber die Grenze zw. Elite-Agegrouper und Pro ist seit je her verschwommen (Stichwort: Trevor Delsaut), und die damit verbundene Diskussion so alt wie der Sport.
      Thomas schafft es jedensfalls, sich lokal gut zu vermarkten und war marketingmäßig lange Jahre der einzige Profi in Ö. Dass Sponsorbudget mit Leistung nicht immer positiv korrelieren müssen, zeigt uns auch eine Anna Kurnikowa. Und gewiss ist es leichter, in einem wirtschaftlich gut aufgestellten und geistig wie geografisch in sich abgeschlossenen Bundesland wie Vorarlberg eine nette Sponsorsumme abzustauben, als zB im Wiener Raum. Und in Deutschland wäre es nochmals schwerer als in Ö, weil man sich dem direkten Vergleich mit Frodeno, Raelert und Co. stellen müsste.

      Der Vorarlberger IM-Rekord ist sicher mehr dem Marketing als dem Leistungsgedanken geschuldet ;-)

  4. @ Günther: aber das Ganze gibt es noch geiler. Im Vorjahr ist wo wer als PRO gestartet und war dann am Stockerl, mit einer Zeit die beim selben Bewerb in der Agegroup nicht fürs Stockerl gereicht hätte.

    • Günther schreibt:

      Tja… sie/er wird den Titel sicher “gut” verkaufen und alles andere interessiert ja keine/n mehr! Sieg ist Sieg ;-)!!!

  5. jo schreibt:

    hi
    wie wärs mit einer kollektion “train for 3/19-IMDFTSAAP-WM”

    lg
    ps: feine leistung bei den tdw!

  6. don tango schreibt:

    diese funktionärs- und auch rennstrukturen gibt es für die leute, die zu verklemmt sind sich einen butt-plug in den popsch zu schieben, um ihre minderwertigkeitskomplexe, die sich durch eine verweigerung der postnatalen analen phase manifestiert haben, kompensieren können.

  7. Oberlandla schreibt:

    Nicht nur in der Steiermark gibt es Meisterschaften die keiner braucht.

    http://results2.pentek-timing.at/results/show_results_db.php?veranstnr=11650&racenr=3

    Dafür gibt es dann den Goldenen Schlüssel der Stadt und eine Ehrenbürgerschaft.
    Trotzdem ein schöner Bewerb. Nächstes Jahr bin ich auch wieder dabei.

    Gruß

    • Rocco schreibt:

      Aber immerhin müss man den linzern zugute halten: relevante starterfeldgröße und keine AK-wertungen bei der Stadtmeisterschaft… dafür habens scheinbar gleich einmal das halbe favoritenfeld DISQed. Wie stellen die sich das vor? 350 starten gemeinsam und sollen sich nach 10 min baden bereits so weit verteilt haben, dass jeder 10m abstand hat? das wäre ne über 4km lange Schlange…

      • Pi schreibt:

        Und? Die Strecke ist 25 km bzw. 45 km lang, geht sich also mit den 4 km mehr als leicht aus! Und nur weil jemand “Favorit” ist heißt dass noch lange nicht dass für denjenigen keine Wettkampfregeln gelten. Die Marshalls haben eh lange zugeschaut und alles Zudrückbare zugedrückt. Nur: Wenn die Typen mit lachendem Gsicht im Belgischen Kreisel daherkommen würd’ auch mir mal die Geduld reißen! Und ich glaub auch kaum dass sich die Verantwortlichen gedacht haben: “Uh, heut’ simma lustig und kicken mal alle Kaderleute raus, einfach so. Weil sollen doch auch mal die Anderen gewinnen!”

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