Quod erat demonstrandum

(c) Stephan Mantler // stephanmantler.com

Nachdem ich letzten Sonntag das erste Mal seit Embrun wieder trainiert und mich dabei überraschenderweise gut gefühlt hatte, hatte ich mich tags darauf zur Langdistanz-Staatsmeisterschaft in Podersdorf heute Samstag angemeldet. Quasi als Kontrastprogramm zur Höhenmeter-Extravaganza in Frankreich wären im Burgenland die meisten Höhenmeter wohl im Wasser zu bewältigen gewesen.

Drei Tage kurz, hart und gut trainiert und dann bereits schon wieder kurz-tapern. Die Temperaturen waren wie in den letzten Tagen brutal heiß, und somit konnte ich meine erste Langdistanz außerhalb Hawaiis mit Neoprenverbot starten. Im Wasser erwartete ich mir nicht zuviel und verlor auch einiges an Zeit auf Doppelstaatsmeister Andi Fuchs, der wirklich gut geschwommen sein durfte und von Anfang an zeigte, dass der Sieg heute nur über ihn führen würde. Die über zwei Minuten Rückstand auf ihn konnte ich dank flinker Beine schnell auf zwischenzeitlich bis zu 25 Sekunden runterschrauben. 280 W Schnitt auf den ersten dreißig Minuten, und zu Beginn phasenweise 300 W konnten sich sehen lassen. Dann nahm ich aber ein wenig Tempo raus, die zu erwartende Hitze würde zu früh verlorene Energie und Elektrolyte vermutlich hart bestrafen.

Ich spekulierte darauf, dass ich mir auf Platz Zwei liegend problemlos fünf Minuten Rückstand erlauben könnte, schließlich wähnte ich mich in der besseren Läuferrolle. So fuhr ich einen „entspannten“ 240 W Schnitt über die ersten drei 45 km Runden.

Leider machte ich die Rechnung ohne den Wirten, der in diesem Fall meine Birne war: Körperlich war ich in sehr guter Verfassung aber mental hatte ich mich noch überhaupt nicht vom Embrunman erholt. Nachdem meine Gedanken bereits auf der dritten Runde permanent nur noch um „scheiss drauf“, „hör auf“, „was mach ich hier überhaupt“ und ähnliches kreisten, hatte ich zu Beginn der letzten Runde die finale Kernschmelze und zog den Stecker.

Das Schwierige am Rennen in Podersdorf ist seine Einfachheit. 4×45 km komplett flach durch die pannonische Pampa, frei von Zuschauern (außer Start-Ziel), Abfahrten, technischen Passagen oder irgendwelchen Sinnesreizen haben einfach meine Moral gebrochen. Permanent drauf bleiben, und nachdem die Mitteldistanzler abgebogen waren, noch dazu völlig allein auf weiter Flur – fünf Stunden in einem leeren weißen, schalldichten Raum Walze zu fahren ist nicht viel spannender.

So ein Rennen musst du wollen. Du musst dich mental darauf fokussieren, im Training daran denken und am Renntag hungrig und gierig mit dem Messer zwischen den Zähnen attackieren. Dafür war ich psychisch in keinster Weise bereit. Auf eine Langdistanz bereitet man sich nicht genügend vor, indem man am Tag davor zwei Teller Nudeln isst.

Andi wollte den Sieg mehr als alle anderen, und ich hab mich riesig gefreut, ihn anfeuern und gewinnen sehen zu können. Seine Entschlossenheit war der Schlüssel zum Erfolg, für mich blieben immerhin ein paar schöne Fotos von Stephan Mantler . Auf der Fahrt heim fiel mir ein netter Spruch zu Dave Scott ein. Damals, als er jährlich bei der WM auf Hawaii den Nimbus des Unantastbaren bestätigte, sagte man über ihn: Dave Scott kann man überall schlagen – außer auf Hawaii. Heute war Fuxi Dave Scott, und Podersdorf sein Hawaii. Schade, dass es nicht zum Iron War beim Laufen gekommen ist.

PS: Mein Leibfotograf Stephan Mantler war wieder mit einem A6 Avant voller Equipment unterwegs, auf der Jagd nach den perfekten Bildern. Checkt blog.stephanmantler.com für die besten Shots des Rennens!

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6 Antworten zu Quod erat demonstrandum

  1. leiti schreibt:

    Mit dem Wind verschwanden auch die Zuschauer im Start – Ziel Bereich :-(

    Gratulation an Andi – das ist sein Rennen!

  2. Karl Distl schreibt:

    Irgendwie sehr nachvollziehbar das ganze! Noch dazu mit dem Embrun Ergebnis im Rücken, und somit ohne den Druck irgendetwas beweisen zu müssen! Trotzdem sehr geile Bilder vom Step!

    Wie gehts dir eigentlich mit dem Asthma? Hast du das ganz in den Griff bekommen?

    lg
    Karli

  3. Martin schreibt:

    wie wahr, wie wahr: 180km quasi ergometer-radeln. und das beste kam zum schluss: 80-90km/h seitenwind auf der laufstrecke :-) aber nach 12:49:36 war mein 1. ironman erledigt :-)
    ich glaube, es war die 3. runde in der du an mir vorbeigefahren bist: man konnte dein „was mach ich hier überhaupt“ sehen ;-)
    LG, Martin

  4. bernd schreibt:

    Hallo Max!
    Was hast du in nächster Zeit vor? Steht im Herbst noch ein Bewerb an, oder planst du wieder ein Abenteuer alla Australien über den Winter?
    LG
    Bernd

    • Rocco schreibt:

      Hi,
      Nö, nix mehr. Wollte Arizona und Cozumel machen, aber mangels Kohle wird stattdessen trainiert und die Off-Season verlängert… Mache wieder ein monservatives Jahr, und jetzt noch ein paar Vorlesungen auf der Uni…

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