Kaklakariada

Seit einigen Tagen ist der ÖTRV wieder in aller Munde, zumindest in den Mündern der Bewohner des Dreifaltigkeits-Mikrokosmos’. So wurden die Nationalkader für 2012 inkl einiger Überraschungen bekanntgegeben, und auch bei der Suspendierung einer Nachwuchsathletin hat sich der Verband nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Die meisten Leser werden sich noch an meinen zweiten “Rocco’s Velosophy” Beitrag im Finisher-Magazin des vergangenen Frühjahrs erinnern. In Bezug auf die üppige Verbandsförderung für den österr. Langdistanz-Kader schrieb ich damals:

“[…] Aber nun wieder zu etwas Ernsterem: Via trinews.at habe ich erfahren, dass ich zusammen mit Michi Weiss und Andi Fuchs den österreichischen Langdistanz-Nationalkader bilde. Im Falle einer Teilnahme an der ITU Langdistanz-WM (das war jetzt nochmal genau was?) in den USA (!) würde man unsere Reisekosten mit stattlichen EUR 200,- subventionieren. Bevor ich jetzt mit meinem Sponsor Merit lange diskutiere, in welche Commodities man diese stattliche Summe am besten investieren sollte, ein paar Alternativ-Vorschläge: einen Gutschein für eine Leistungsdiagnostik; ein Teamtrikot; Mitbenutzung der mitunter unbesetzten ÖTRV-Schwimmbahn in der Südstadt; Zuschuss der Nachwuchsförderung; die Bezahlung zusätzlicher Dopingkontrollen; ein geförderter Schwimmworkshop (schließlich hat man mit Robert Michlmayer und Gerald Dygryn zwei mehr als fähige Kräfte in den Reihen); Spende an eine karitative Einrichtung, eine Runde Gratisgetränke bei der „Nacht der Athleten“ im Rahmen der „Tage der Wahrheit“; die Goldene Wander-Anstecknadel des ÖTRV für die längste Marathonzeit im Rahmen des IM Austria; ein Panini Sammelalbum mit allen Helden und Unikaten der österreichischen Triathlon-Szene.”

Was die wenigsten wissen, sind die Mengen an sprichwörtlichen Bröseln, die mein Kommentar verursacht hatte. Besonders Sportdirektor Michlmayr zeigte sich nicht gerade kritikfähig (wobei sich mir bis heute nicht erschließt, in welchem Punkt ich seine Person kritisiert haben soll?), und in einem langen persönlichen Gespräch zeichnete sich ein Bild eines Mannes ab, der jeglichen Anflug von Kritik am bestehenden System als persönlichen Angriff gegen sich wertet. Immerhin habe ich danach, unter Einbezug anderer LD-Kaderathleten, versucht zusammen mit Generalsekretär Herwig Grabner die Situation für die Athleten sinnvoll zu verbessern und einen nutzbaren Value-Added zu kreieren. Man sprach von Leistungsdiagnostik-Gutscheinen, Nationalteam-Trikots und anderen Dingen.

Leider haben sie es nie über den Status eines Lippenbekenntnisses hinaus geschafft.

Redefreiheit?

In einer jüngeren Episode wurde nun U23-Athletin Tanja Stroschneider für drei Monate suspendiert. Die Disziplinarkommission des ÖTRV sah in Stroschneiders Blogeintrag eine Pauschalaussage im Zusammenhang mit der Auflösung der Zusammenarbeit mit Sportdirektor Robert Michlmayr im Bereich Schwimmen auf der Website der Athletin. Die auf der Athleten-Website dargestellten Aussagen entsprechen nicht der Wahrheit und dem zu Folge lag in diesem Fall ein klar verbandschädigendes Verhalten vor .”

Die Schilderung der Ereignisse, die zur Suspendierung geführt haben, aus Stroschneiders Sicht:

“Neben der Vorbereitung für die EM steht eine große Veränderung an. Lange habe ich überlegt, ob ich darüber überhaupt berichten soll… Da es in diesem Punkt allerdings keinen Grund für „Heimlichtuerei“ gibt, habe ich mich doch für ein kurzes Statement entschieden.
3 Tage vor meinem Rennen gab es einen kleinen Konflikt zwischen meinem Trainer Patrick und Sportdirektor Robert Michlmayr. Das allein halte ich nicht für eine große Sache, dass es mal zu Meinungsverschiedenheiten kommt ist normal, am Tag darauf sollte bei einem erneuten Gespräch, bei dem auch ich anwesend war, alles geklärt werden. Roberts Konsequenz aus dem Konflikt vom Vortag hat mir dann aber den Boden unter den Füßen weggezogen.
Mit der Begründung, er könne nach diesem Konflikt (dem ersten und einzigen) nicht mehr mit meinem Trainer zusammenarbeiten, darf ich in Zukunft nicht mehr in der Südstadt trainieren. Auf meine Frage, dass ich als Kaderathletin des ÖTRV (neben Lisa Perterer bin ich die einzige der U23 Klasse, die die Kaderkriterien fürs nächste Jahr erfüllen konnte) doch Anspruch auf dieses Trainingszentrum haben müsste, verneinte Robert. Er erklärte mir, dass das Trainings- und Leistungszentrum Ost eigentlich nur für die Schüler des Sportgymnasiums, nicht aber für die anderen Kaderathleten des ÖTRV gedacht sei.
Ich sei sozusagen nie richtig erwünscht gewesen bei den Schwimmtrainings, jedoch gäbe es hin und wieder Ausnahmen für manche Athleten.
[…] Mir wird der Zugang zum Trainingszentrum nicht gewährt und es ist in Wien, wie wohl in den anderen Bundesländern auch, wahnsinnig schwierig zu Schwimmzeiten und -bahnen zu kommen. Ich dachte erstmal ich stehe vor dem nichts. Ich muss die Entscheidung des Sportdirektors zur Kenntnis nehmen, obwohl ich diese Reaktion ehrlich gesagt nicht verstehen kann. Dass 2 Menschen Meinungsverschiedenheiten haben kommt vor und wenn es bei beiden Kompromissbereitschaft gibt, lässt sich meiner Meinung nach fast alles lösen.
Wenigstens weiß ich jetzt den Grund für manche Vorkommnisse mit denen ich zu kämpfen hatte, da ich offensichtlich nicht erwünscht war. So wurde mir zum Beispiel öfters nicht über Änderungen der Schwimmzeiten bescheid gesagt, sodass es nicht bloß 1x vorkam, dass ich alleine im Bad stand und nicht wusste was los war.
Eine weitere Begründung für seine Entscheidung war, dass sich in Österreich jeder Kaderathlet selbst um die Schwimmmöglichkeiten kümmern müsse und es in diesem Punkt keine Ausnahmen geben solle. Es wird also anscheinend von manchen Leuten im Verband angestrebt, dass jeder Kaderathlet in Österreich sein eigenes Ding durchziehen soll und nicht, dass sich Trainingsgemeinschaften bilden, sodass man voneinander profitieren kann? Oder wie soll ich so eine Aussage verstehen?
Ich schließe hiermit mit diesem Thema ab. Meine Meinung zu diesem Thema und zu einigen problematischen Strukturen im Verband steht und die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich vieles einmal zum besseren ändert. Die Vergangenheit hat schon in einigen Fällen gezeigt, dass es bei uns noch viel zum verbessern gibt. Genauso habe ich versucht, in meinem Bericht, so weit es in so einem Fall geht, neutral zu bleiben. Jeder sollte sich darüber seine eigene Meinung bilden und ich möchte niemanden schlecht machen. Trotzdem sollte auch nichts schön geredet oder verheimlicht werden und ich hoffe, dass es mir mit meinem Bericht gelungen ist, vernünftig über die letzten Geschehnisse zu berichten!
[…] Es ist nicht einfach wenn man manchmal das Gefühl hat, es gibt Leute im Verband die teilweise gegen einen Athleten arbeiten anstatt ihn/sie zu unterstützen. Auch dies ist keine Unterstellung, sondern nur das Gefühl, dass bei mir bei solchen Ereignissen entsteht.”

Festzuhalten ist, dass seitens des ÖTRV keine Darstellung seiner Sichtweise öffentlich gemacht worden ist. Jedoch finde ich persönlich es nicht gerechtfertigt, eine Athletin auf Grund eines meiner Auffassung nach nicht schädigenden Blogeintrages zu suspendieren (da müsste man mir vermutlich auf ÖTRV-Initiative die Staatsbürgerschaft entziehen). Wenn der Sportdirektor und der Trainer der Athletin unterschiedliche Auffassungen haben, sollte die Athletin nicht die Betroffene von beleidigten Machtbeweisen sein. Wenn mein Coach meine Lauftrainings als 15 km lange Sack-Hüpf-Einheiten konzipiert und ich damit 10.000 m unter 30 min laufen kann, sollten Externe vielleicht den Sportler getreu der ÖVP-Maxime “Hände falten, Gosch’n halten” ihren Weg gehen lassen und ihre Energien lieber in das Schaffen von produktiven Rahmenbedingungen stecken, anstatt Grabenkämpfe auszutragen.

Tolerierbar wäre dies vielleicht noch, wenn die Kaderschmieden eine dermaßen hohe Output-Rate an Erfolgen vorweisen könnten, die das Übergehen von Einzelschicksalen verschmerzbar machen würde. Die Erfolgsstatistik insbesondere des Stützpunktes Südstadt kann sich aber selbst ein Sägewerk-Mitarbeiter an einer Hand abzählen.

Andread Giglmayer trainiert auf eigene Faust in einer australischen Trainingsgruppe. Luis Knabl wurde durch persönliche Initiave von Peter Krieglsteiner groß. Lukas Hollaus zeigt den Kaderathleten bei der Kurzdistanz-ÖM den Weg zum Mostkeller. Mitteldistanz-Athletin und Tri Styria Teamkollegin Eva Wutti holte sich en passant den Damentitel.

Womit wir beim nächsten Thema wären: Hollaus und Wutti sind als amtierende KD-Staatsmeister nicht im entsprechenden Nationalkader. Ich auch nicht (mehr), was aber auf Grund der fehlenden Ergebnisse bei den entsprechenden Qualibewerben auch gerechtfertigt ist; zumal wie bereits zuvor erwähnt ein Mehrwert der Kaderzugehörigkeit nicht abzusehen ist.

Eva aber beispielsweise wird auch weiterhin die Trainingsmöglichkeit auf der ÖTRV-Bahn verwehrt bleiben.

Dieser Beitrag wurde unter Triathlon , Velosophical veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink .

9 Antworten zu Kaklakariada

  1. Michi Knopf schreibt:

    haha… warum solls die beim ötrv besser gehen als zuvor beim örv!
    es is so herrlich geil wenn dir der eigene verband in den rücke fällt!
    gratulation! allerdings wissen wir wenigstens warum uns andere nationen so weit voraus sind…

  2. jever98 schreibt:

    Der Irrsinn stirbt leider doch zuletzt. Herzliches Beileid und alles Gute im Kampf gegen die Windmühlen!

  3. Andi schreibt:

    Wahnsinn….

  4. Alte Weisheit: Wer im richtigen Leben nix werden kann wird Funktionär.

  5. tom schreibt:

    Leider ist es so mit den Verbänden dass ist schon seit Jahrzenten so, früher beim MTB ging es genau so ab die Ergebnisse wurden immer beschwichtigt und heruntergespielt,davon kann sicher auch der michi ein Lied singen.Du warst in Hawaiiund siehts wie sehr der Verband die dort startenden Österreicher unterstützt, wenige als gar nicht kein mukser auf der HP geschweige das die guten Leute irgendetwas bekommenund da rede ich gar nicht mal von Geld.

  6. Roman schreibt:

    http://managainsthorse.net/
    ich find dieser Vorschlag dich dort mal unter Beweis zu stellen passt irgendwie ganz gut zu diesem Beitrag …
    alle Reif für die Insel! ;-)

    • Rocco schreibt:

      danke, aber nach dem online-video klassiker “man fucks horse and later dies” nähere ich mich diesen Viechern nur noch näher als 100 m, wenn sie zwischen eine Semmel passen

  7. horst schreibt:

    Warum sollte es, verbandstechnisch, auch in .at anderes sein als in .de, alles ein einziges Armutszeugnis.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. ( Abmelden / Veränderung )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. ( Abmelden / Veränderung )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. ( Abmelden / Veränderung )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. ( Abmelden / Veränderung )

Verbinde mit %s