Koh Samui Triathlon – das Rennen: 8. Platz

Nur rund 80 Starter, davon aber fast die Hälfte Profis, und schwierige äußere Bedingungen haben den ersten Koh Samui Triathlon schwerer gemacht als es die flachen 4/122/30 km am Papier vermuten ließen. Mit meinem 8. Platz zum Start in die Saison kann ich durchaus zufrieden sein, wenn auch nicht ohne Vorbehalt.

Da standen wir also, kurz vor 7:30 morgens, an einem Strand in Bophut, und starrten auf die 2 km lange Schwimmrunde heraus, die in der folgenden Stunde unser Kochtopf sein würde. Marino Vanhoenacker, Faris-Al-Sultan, Dirk Bockel, Cameron Brown, Marcel Zamora, David Dellow, Caroline Steffen, Belinda Granger, Erika Csomor und zig andere illustre Ironmansieger und Profis waren dem Ruf des Geldes gefolgt, der ähnlich wie beim Partnerbewerb Embrunman fast € 100.000,- laut war. Dieser Partnerschaft hatte ich es auch zu verdanken, dass ich auf Flug und Unterkunft (Four Seasons Koh Samui!) eingeladen worden war. Deshalb also meine erste Nizza-Distanz als Saisoneinstieg. Nizza war jahrelang Austragungsort der inzwischen bedeutungslos gewordenen ITU-Langdistanz-WM, wo die Gewichtung mit 4/120/30 km weit weniger radlastig als bei Ironman-Rennen ist. In Frankreich erfreut sich dieses Format ungleich höherer Beliebtheit als andersorts.

Meine Erwartungen für die Auftaktdisziplin im über 30° heißen Kochtopf waren schaumgebremst. Nicht nur, dass ich in den vergangenen Wochen sehr wenig im Wasser gewesen bin, in der Nacht hatte ich auch noch Verdauungsprobleme bekommen. 15 min vor dem Start, als ich ein letztes Mal nach Dixieland reiste, fragte ich mich, was für einen Sinn es überhaupt hätte, so bei einer Hitzeschlacht zu starten.

Gestartet bin ich dann aber doch, und kam anfangs sogar echt gut weg, verlor dann aber leider im trüben Wasser den Anschluss an die zweite Gruppe und musste alleine fertigschwimmen. Das warme Wasser war die Hölle, einmal bin ich sogar bei einem Boot stehengeblieben, um mir einen Schluck Wasser zu schnorren. Labestelle beim Landausstieg gab es leider keine, und so nahm ich mir beim Wechsel nach der zweiten Schwimmrunde genug Zeit, um einen Liter Flüssiges aufzutanken. Das würde in der Folge auch das bestimmende Motiv bei diesem Bewerb sein: Trinken und kühlen.

Am Rad ging es gut voran – soweit es eben voranging. Soll heißen: Der Veranstalter war bemüht, auf der eineinhalb mal zu fahrenden Rindstraße einen Korridor für die Athleten zu errichten. Die Einheimischen waren bemüht, diesen Korridor zu ignorieren. Man musste ständig aufpassen auf Scooter-Fahrer und Pick-Ups, Fußgänger und Hunde. Frank, einen Kumpel hatte es leider erwischt, seitdem fährt in Koh Samui ein Pick-Up mit dem Abdruck eines langen Deutschen in der Heckklappe herum. Frank selbst ist übrigens ok, musste das Rennen aber in Folge leider dennoch aufgeben.

Ich selbst konnte guten Druck am Rad machen und hatte nach 80 km eine Dreiergruppe (Platz sechs bis acht) mit Zamora und Croenenberg eingeholt. Danach nahm ich Tempo raus, schließlich fuhr an der Spitze eine Vierergruppe mit Bockel, Al-Sultan, Dellow und Farlow, und dahinter Vanhoenacker solo. Und die würde ich wohl nicht so schnell einholen. Also konzentrierte ich mich darauf, Flüssigkeit aufzunehmen und Energie zu sparen. Auf Grund der Verdauungsprobleme hatte ich Angst, etwas Festes zu essen, und nahm so nur zwei Gels zu mir. An den Labestellen Gruß aus Embrun: Was in den angenommenen Flaschen war, fand man erst nach dem ersten Schluck heraus.

Der Lauf am Schluss würde wohl kein Fest werden. Fünf Monate habe ich wegen der Achillessehnenentzündung nicht laufen können, erst eine Woche vor dem Bewerb konnte ich die ersten 15 min wieder probieren. Aber egal – die Flüge waren ja bereits gebucht und 30 km sind ja schließlich auch nur 8×15 min. Oder so.

Ich wollte das Rennen auf jeden Fall fertig bringen, aber wenn ich Schmerzen hätte, würde ich aufhören – lieber dieses Rennen verlieren, als die komplette restliche Saison. „Zum Glück“ konnte aber ohnehin niemand mehr laufen. Was da aus der Wechselzone rauslief, erinnerte mehr an Marathon-Endabschnitts-Todesschlepp. Inzwischen hatte es gut 35° C im Schatten, welchen es aber nicht gab. Auch Labestellen waren äußerst spärlich gesät, alle 2 km war schon das Höchste der Gefühle. Das Prozedere immer das Gleiche: Einen Becher Eiswürfel vorne in den Einteiler, einen Becher hinten, und Wasser über den Körper. Reaktor kühlen, um eine Kernschmelze zu verhindern. Irgendwann war es dann jedem wurscht, ob man auf Platz drei, sechs oder neun lag. Hauptsache man sieht das Ziel. Kurz vor dem Wendepunkt nach 15 km mir Dirk Bockel entgegen, wir trafen uns quasi zum Power-Walking. Vielleicht würde ich ihn ja noch einholen, dachte ich mir, aber wichtiger wäre es, Cameron Brown hinter mir auf Distanz zu halten. Er lag um die sechs Minuten zurück, aber beim Wandern schmilzt das dahin wie (haha) Eis in der Sonne.

Die Kilometer Richtung Ziel vergingen überhaupt nicht. Der ganze Körper glüht, Zuschauer gibt es auch keine, und ich Depp hample da irgendwo in der Pampa herum. Die Sinnfrage stellte ich mir schon lange nicht mehr. Ich wollte nur noch heim und mich in einen Kübel voll Eis setzen. Und nachdem ich nicht wusste, wo ich war, musste ich nun einmal auf der Strecke heimlaufen.

Zwei Kilometer vor dem Ziel taucht Cameron Brown plötzlich wie aus dem Nichts hinter mir auf. Angst. So kurz vor dem Ziel abgezockt zu werden macht keinen schlanken Fuß. Irgendwie kann ich ihn noch auf Distanz halten – Achter.

Dafür, dass ich am Morgen nicht einmal wusste, ob ich starten kann oder das Ziel sehe, mehr als ok. Klar, wäre es 20° C kühler gewesen, hätte sich mein Laufdefizit sicher stärker im Ergebnis niedergeschlagen; so realistisch muss man schon sein. Wichtig aber ist: Achillessehne hat gehalten, und ich bin richtig stolz, dass ich es durchgezogen habe. Nur schwimmerisch muss ich jetzt wieder mehr an der Nase nehmen, damit für den IM Austria alles hundertprozentig passt.

Der Koh Samui Triathlon ist sicher nicht perfekt. Die Streckenabsicherung abenteuerlich, die Labestellen dünn gestreut und nur mittelmäßig bestückt, und die klimatischen Bedingungen alles andere als einfach. Aber in Verbindung mit einem Urlaub kann man sicher eine nette Zeit dort haben. Das Thai-Food schmeckt genial, ist immer frisch und die Hauptspeise kostet mit Getränk keine fünf Euro. Leider musste ich bereits am Tag nach dem Rennen die Heimreise antreten :-/

Noch ein Wort zur Platzierung: Aaron Farlow ist mit einem unerlaubten Speedsuit geschwommen. Sowohl am Tag vor dem Bewerb als auch vor dem Start ist er mehrfach darauf hingewiesen worden, dass er so nicht starten dürfte. Er hat uns Konkurrenten dann recht eindeutig zu verstehen gegeben, was er von unseren (richtigen) Ansichten hält, und ist dennoch gestartet. Nachdem im Ziel kollektiv Protest eingelegt worden war, wurde zwischen Veranstalter und ihm in einer Art Bazar-Feilscherei eine dreiminütige Zeitstrafe ausgehandelt, anstatt ihn zu disqualifizieren.

Naja.

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10 Antworten zu Koh Samui Triathlon – das Rennen: 8. Platz

  1. Daniel schreibt:

    congrats!! – zweistelliger Fahrenheit-Bericht wird erwartet!

  2. Lukas schreibt:

    Gratulation!!! beim dem Starterfeld…IRRE. Freue mich auf einen umfangreichen Bericht

  3. Anja schreibt:

    Super! Glückwunsch! Mich würde die Zeit voin deinen 8×15 min ohne Lauftraining interessieren? Hat denn deine Sehne gehalten oder bist über den Schmerz gegangen?? Genieße den Pool!! :)

  4. jordi schreibt:

    Grossartig! Gratulation! Tolle Sache!
    Bei uns 10 Grad oder weniger, heute leichter Regen den ganzen Tag…
    Saludos,
    Jordi

  5. Thomas schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch

  6. mexximum78 schreibt:

    sehr geil max, Wahnsinnsleistung bei den Bedingungen. ulli und ich haben dir hier die Daumen gedrückt. geniess das thai-essen. freuen uns auf ein Wiedersehen.
    glg mexx&ulli

  7. h bogers schreibt:

    Tolle Leistung höllische feuchte, Vorallem ins Inland. Kuerve nach Kuerve, und brutale Steigungen….
    Ahoy Hadelin & Anja

  8. CHARLY 0815 schreibt:

    Hello! Meiner Einer war als Zuschauer live dabei in Koh-Samui…SENSATIONELLE Leistung!!! Bei dieser Glut einen Bewerb zu finishen…BIG RESPECT!!!

  9. Daniel S. schreibt:

    Gratulation, das waren ja wirklich harte Bedingungen. Super Leistung!

  10. Andy K. schreibt:

    Sei froh, dass der Bewerb nicht eine Woche später war – gestern hatten wir schlappe 40 Grad – selbst für Thailand fast rekordverdächtig. Alles Gute für Deine Kärnten-Vorbereitung!

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