Marillenmarmelade

Eine vermeintliche simple Verkühlung hat mich den Start beim 5150 Klagenfurt – und wohl auch beim Ironman Austria – gekostet. Man kann also zu Recht behaupten, ich sei dezent angespeist. Warum kann ich nicht einfach wieder ein Rennen haben, wo im Vorfeld alles passt?

Samstag vor einer Woche hatte ich am Nachmittag leichtes Halsweh bekommen. Alarmstufe rot; normalerweise fängt so bei mir eine Verkühlung an, die sich – wenn nicht schnell behandelt – auf die Nase ausbreitet. In der Nacht konnte ich vor lauter Schluckbeschwerden schon nicht mehr richtig schlafen und machte mich schließlich um 04:00 morgens auf die Suche nach einer Nachtapotheke. Lokal antibakterielle Lutschtabletten wie Lemocin wirken normalerweise Wunder. Nur dieses Mal nicht.

Am nächsten Tag hatte ich immer noch Halsweh, dazu kamen allgemeine Schlappheit und Zittrigkeit, bald auch Schnupfen – und ein Tag trainingsfrei. Noch war ich zuversichtlich, dass sich der leichte Schnupfen binnen drei Tagen wieder von selbst erledigen würde. Drei Tage später nicht mehr.

Inzwischen hatte ich eine 1a-Verplombung der Nase und bis auf eine lockere 1:45 h Runde mit dem Mr. T nichts trainiert. Aber egal, noch hatte ich vier Tage bis zum 5150 Klagenfurt, bei dem ich auch als Testimonial Athlet eingebunden war (ich finde es war ein durchaus mutiger Schritt von Triangle, schließlich hatte ich mich in der Vergangenheit auch durchaus kritisch gegenüber der WTC geäußert).

Die gemeinsame Ausfahrt mit anderen Teilnehmern am Feiertag war zum Glück recht locker, aber wirklich gut ging es mir auch da nicht. Langsam wurde ich unrund, denn inzwischen war bereits ein großer Teil der ersten von zwei letzten harten Trainingswochen für den IM Austria den Bach runtergegangen. Keine langen Radtrainings, kein hartes Schwimmtraining, keine Laufintervalle, die ich so dringend brauchen würde.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag gesellte sich auch noch Husten zur Party, und zwar die Art, bei der es einem die Bronchien rausreißt. Freitag Vormittag fand die Pressekonferenz statt. Ich erkläre die perfekte Technik zum Essen eines Oreo-Kekses und versuche positiv zu bleiben.

Danach rang ich mich doch durch zum Arzt zu gehen, auf dass ich erfahre würde, warum es mir seit fast einer Woche nicht besser, sondern eher schlechter geht. Die Vorahnung war schlecht, denn der Husten war gelb und zäh, was auf etwas Bakterielles schließen ließ. Ein Schnelltest in der Praxis ergab dann einen viralen Infekt.

Das ist gut, weil ich damit keine Antibiotika nehmen muss. Aber auch schlecht, weil ich damit keine Antibiotika nehmen kann. Mit diesem muss man zwar bei der Wiederaufnahme des Trainings ein wenig Acht geben, dafür hätte man etwas Wirkungsvolles in der Hand. Bei Viren hilft leider nur abwarten und Tee trinken, im wahrsten Sinne.

Inzwischen bin ich bereits über eine Woche krank. Davor hatte ich Ruhewoche, macht in Summe also über zwei Wochen ohne erwähnenswertes Training. Fünf Trainingstage hätte ich noch, ehe das Tapering für den IM Austria beginnt. Mit etwas Glück werde ich passend zur Tapering-Phase wieder fit – doch von welchem Training soll ich mich da erholen? Welche Form soll ich auf den großen Tag zuspitzen? Ich habe keine Lust, ein Messer zu einem Pistolenduell zu bringen. Der Ironman ist damit wohl gelaufen.

Was mich am meisten anzipft ist der Umstand, dass ich meine Saison heuer voll und ganz auf den 1. Juli ausgerichtet hatte. Die Langdistanz auf Koh Samui ging trotz der Achillessehnenprobleme sehr gut aus, und nun war die Marschrichtung auf Klagenfurt ausgerichtet. Keine Mitteldistanzen, bis auf den 5150 keine Vorbereitungsrennen. Die Radform war mörderisch, und ich war mehr als zuversichtlich, beim Eiermann ein Bomben-Rennen abzuliefern.

Statt der Gegner habe ich heute Marillenmarmelade eingekocht.

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3 Antworten zu Marillenmarmelade

  1. Lukas schreibt:

    hmm, jetzt 2-3 harte Belastungswochen starten, dann 2 Wochen taper und Start in Frankfurt oder Zürich statt Klagenfurt könnt eine Alternative sein, oder?
    auf jeden Fall alles Gute!!

  2. Paul schreibt:

    IM Schweden wäre mein Tipp. Oder Rocco goes Black….Norsemanblack. Werd erstmal gesund!

  3. Chris schreibt:

    hmm, warum solls dir als PRO anders gehn als uns Hobetten…
    “kopf hoch! Abwarten und Tee trinken”…sagens zu uns auch immer ;-)
    irgendwann gehts weiter.
    lg C.D.

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