Zweimal Podium in sechs Tagen

Ein paar weitere Trainingsrenntage liegen hinter mir, mit durchwegs guter Bilanz: 2. Rang in Krems, 3. Platz in Litschau. Ich bin wohl doch eher der Wettkampftyp.

19. Krems-Triathlon (1,5/41/10 km)

Nach dem defektbedingten Ausfall beim XTerra Tschechien habe ich mich noch von dort aus für den Krems-Triathlon am nächsten Tag nachgenannt. Eine weitere Kurzdistanz, die ich schon lange einmal machen wollte. Das Eventgelände liegt in Mitten des Voest-Industriegeländes. Nackter Beton, schwere Kräne, Transportschiff-Hafenbecken – eigentlich eine perfekte Location für einen Rammstein-Videodreh.

Giro Ionos und MTB-Schuhe raus, Giro Advantage und Tri-Schuhe rein – nachdem ich erst spät aus Tschechien zurückgekehrt war, hielt sich der organisatorische Aufwand für mich zum Glück in Grenzen. Das Mr. T steht zum Glück stets fluchtbereit in der Garage, für den Fall, dass das T-Virus ausbricht und Zombies über die Welt herfallen.

In Krems ebenfalls erneut am Start war die magyarische Gesandtschaft Bajai/Ruszas, die auch schon beim Mostiman für viel Freude und noch härtere Gegnerschaft gesorgt hatten (1. und 3. Platz). Vom Start weg haben uns die beiden zusammen mit einem dritten Landsmann zu Nichtschwimmern degradiert und gezeigt, wo bei ITU-Rennen der Bartl den Most herholt. In der zweiten Gruppe haben wir über zweieinhalb Minuten ausgefasst!

Den Rückstand auf der 41 km langen Wendestrecke aufzuholen war gar nicht so leicht. In den zwei Wochen zwischen Mostiman und Krems-Tri hatte ich viel am Laufen gearbeitet, was etwas zu Lasten der Radform gegangen war. Dennoch konnte ich mich vom 13. Rang nach dem Schwimmen bis auf Platz Zwei vorarbeiten. Nur David Ruzsas ging mit einer halben Minute Vorsprung auf die viermal zu laufende 2,5 km Runde.

Jetzt war die Zeit gekommen, meinen Lauf-Fortschritt zu testen und einen weiteren harten Trainingsreiz abzuholen. Ich lief hart an, anders als beim Mostiman war ich heute der Jäger. Nach der ersten Runde hatte ich den Rückstand halbiert, nach zwei Runden war ich auf sieben Sekunden dran, und zu Beginn der letzten Runde gingen wir Kopf an Kopf durch.

Damit befand ich mich aber auch in einem Dilemma: Ich wusste, Ruzsas war der bessere Sprinter auf den letzten 500 m. So hatte er mich 2010 in Fürstenfeld geschlagen, so hatte er mich beim Mostiman noch vom Podium verdrängt. Sein Tempo war einen Hauch langsamer als meines, also musste ich es mit einem langen Finale probieren. 2.000 m vor dem Ziel trat ich das erste Mal an, er ging mit. Direkt nach der letzten 180° Wende attackierte ich erneut, doch er ging wieder mit. Und so kam es, wie es kommen musste: Ruzsas zog auf den letzten 500 m an, und ich, fetzenblau von der Aufholjagd und den Attacken, hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Mit 13 Sek. Rückstand wurde ich Zweiter.

Immerhin, ich konnte die besten Rad- und Laufsplits des Tages für mich verbuchen, den Sieger vom Mostiman schlagen und mit einer (echten!) 10er-Zeit von 33:40 min bei warmen Bedingungen und drei 180° Wenden pro Runde eine für mich endlich wieder gute Laufleistung (-1 min ggü. Mostiman) abliefern.

Die Arbeit hatte sich also bezahlt gemacht.

WEM – Waldviertler Eisenmann (2,3/84/21 km)

Sechs Tage später stand der Start beim WEM im nördlichsten (und wohl kältesten *brrrr*) Ort Österreichs am Plan. Ich hatte zwar meine Bedenken, ob ich die Mitteldistanz bis zum Trans-Vorarlberg verdaut haben würde (wird sich weisen), allerdings hätte ich ansonsten auch eine lange Koppeleinheit machen müssen. Und so hätte ich zumindest Chancen auf einen Teil des guten Preisgeldes gehabt; vor allem war Litschau aber auch mein allererster Triathlon (2006, lang ist’s her) gewesen. Wie bei jedem ersten Mal sind damit viele besondere Erinnerungen verbunden.

Und wie bei jedem ersten Mal hatte man so ziemlich alles falsch gemacht.

Erste positive Erfahrung: Anders als 2006 hat der Herrensee keine 13° C. 20° C im Wasser sind jetzt zwar auch keine Welt, aber immerhin deutlich wärmer als an Land. Wie bei harten Rennen üblich war das Starterfeld eher klein, dafür an der Spitze gut besetzt. Franz Höfer musste zwar krankheitsbedingt absagen, dafür war der Italiener Alberto Casadei ins entlegenste Waldviertel gekommen. Dazu gesellten sich mit Dani Niederreiter, Niko Wihlidal, Jan Rehula und Georg Swoboda noch ein paar weitere flotte Tanzpartner.

Ich hatte einen sehr guten Start und führte die erste Gruppe hinter dem Duo Casadei/Niederreiter an, musste dann aber nach 700 m etwas zurücknehmen. Ja, man könnte sogar fast behaupten, dass es mich zerrissen hat. Niko zog vorbei, Schurli ebenfalls, und ich hatte meine Mühe nicht komplett durchgereicht zu werden. Die Wettkämpfe der letzten Wochen waren ein wenig zu Lasten des Schwimmumfangs gegangen, das spüre ich im Moment vor allem bei längeren Strecken.

Bei Wechsel nahm ich mir die Zeit, ein zusätzliches Trikot anzuziehen, es war durchaus frisch. Der Radkurs in Litschau ist durchaus einer der gehobenen Kategorie. Sehr hügeliges Terrain, viele Rhythmuswechsel und unendliche viele kurze Anstiege, die zum Drüberdrücken verleiten, wechseln mit windigen Flachpassagen. Wer sich hier verleiten lässt, wird später dafür büßen – so wie ich 2006.

Auf den ersten 20 km hatte ich echte Probleme auf Betriebstemperatur zu kommen. Die Beine waren eiskalt, und auf jedem Anstieg brannten sie wie verrückt. Erst allmählich konnte ich mich nach vorne arbeiten, ließ mir aber noch etwas für den Halbmarathon über. Dennoch, zwei Minuten auf den Sieger Casadei und fünf Minuten auf Dani zu verlieren zeigt, dass ich für die Trans-Vorarlberg noch ein paar Knödel essen muss.

Als Vierter ging ich auf die Laufstrecke. Die ersten beiden waren bereits sechs Minuten weg, diese Messe war wohl schon gesungen. Aber die vier Minuten Rückstand auf Schurli waren drin. Der Laufkurs besteht aus vier Runden um den Herrensee zu jeweils fünf Kilometern plus dem finalen Kilometer hinauf zum Stadtplatz. Vom Terrain her gleicht der Halbmarathon mehr einem Crosslauf, schließlich führt er fast ausschließlich über Schotter- und Waldwege und ist dabei keinen Meter flach.

Nach den ersten fünf Kilometern hatte ich den Rückstand auf Platz Drei auf neunzig Sekunden gestutzt. Das ist schon einmal weit besser als 2006, wo ich die erste Runde komplett mit Krämpfen in beiden Oberschenkel gehumpelt war. Kurz vor Ende der zweiten Runde hatte ich meinen Kumpel und glühenden Austria-Fan ;-) Schurli überholt. Vorne an der Spitze wurde allerdings das gleiche Tempo gelaufen, und somit ging es nur mehr ums Verwalten des Stockerl-Platzes. Die dritte Runde ging noch gut von der Hand, die vierte war dann schon etwas weniger lustig. Wie auf der Radstrecke: Wenn du gut drauf bist, fliegst du die tausenden Anstiege hinauf, aber wehe du läufst auf Reserve. Dann wird jede Welle zum Großglockner. Glücklicherweise war ich nicht der Einzige, dem es so erging, und ich konnte den dritten Platz unangefochten halten.

Damit kann ich gut leben. Mehr war an diesem Tag nicht drin, und im Training hätte ich mich nie so überwinden können. Unterm Strich ist der Eisenmann eine wirklich nette Veranstaltung, die auf Grund der Strecke die Lutscher und Betrüger gleich in Vornherein ausschließt. Auch die werte Leserschaft aus dem benachbarten Deutschland könnte sich das mal überlegen; nicht nur, wenn man Normann Stadler heißt. Und das Kuchenbuffet ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben!

Anm.: Die Rennfotos aus Krems stammen von Josef Salomon/ WachauFoto.at . Mehr gute Bilder finden sich ebendort sowie im Picasa-Album des Veranstalters.

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