News: 3. Platz beim Trans-Vorarlberg!

Wer auch immer behauptet haben mag, dass man mit einem Zeitfahrrad nicht gut klettern könnte, wurde heute eines Besseren belehrt: Bei guter Besetzung und schlechten Bedingungen konnte ich mir im Rahmen der Neuauflage des Trans-Vorarlberg den dritten Rang holen. Höhenmeter gab es in allen drei Disziplinen zu bewältigen.

Vorarlberg ist triathlontechnisch ein in sich geschlossener Mikrokosmos – die dortigen Landesmeisterschaften werden in ihrer Bedeutung nur noch von den steirischen übertroffen. Meine Kumpel bei Simplon, allesamt selbst fest am Amdrucken, wenn etwas zwei muskelgetriebene Räder inkludiert, hatten mich schon fast vor einem Jahr gefragt, ob ich nicht beim Trans-Vorarlberg starten wolle. 1,2 km Swim im Bodensee, 102 km Bike von Bregenz quer durch den Bregenzerwald, über den Hochtannbergpass und nach Lech/Arlberg sowie 12 km Run ebendort – eigentlich wie gemacht für mich. Warum also nicht?

Ich trat also eine weitere Weltreise durch Österreich an. Nach einem Rennen im nördlichsten Punkt Österreichs jetzt also eines im westlichsten. Ist ja halb so wild, zumindest wenn man in Vorarlberg lebt und nicht wie ich sieben Autostunden entfernt im Osten.

Nachdem es die ganze Woche heiß und schön gewesen war, kündigte die Wettervorhersage passend zum Rennen einen Wetterumschwung inkl. Temperatursturz von Samstag auf Sonntag an: Regen, 15° C und oben in Lech satte 6° C. Je näher das Rennen aber kam (sowohl zeitlich, als auch geografisch – vor dem Arlberg noch Starkregen, dahinter bereits Sonnenschein und 25° C!), desto besser wurden die Aussichten für den Rennmorgen.

Bis am Samstag Abend das Gewitter kam: Binnen weniger Minuten setzte apokalyptischer Regen ein, der Stunden anhielt. Naja, zumindest war damit die Neo-Frage geklärt und ich konnte meinen 2XU Fusion Schwimm-Tri-Suit, mit dem ich mich beim 1.000 m Schwimmen in Tulln am Mittwoch noch so wohl gefühlt hatte, wieder einpacken.

Steht ein Schlechtwetter-Rennen an, geht der psychologisch gewiefte Triathlet von Welt folgendermaßen vor: Zuerst werden mindestens fünf, besser aber acht verschiedene Wetterdienste (und sei es der senegalesische) online ausfindig gemacht. Die Vorabendstunden verbringt man sodenn mit hundertfachem Abfragen der Vorhersagen, ehe man jener das Vertrauen schenkt, welche die optimistischste Schätzung abgibt.

Mein Rennoutfit sollte nicht unwichtig sein und war letzten Endes (15° C am Start in Bregenz, am Vormittag durchziehende Regenschauer erwartet, am Nachmittag sonnige Phasen) wie folgt:

  • 2XU Compression Top ärmellos: eine Extraschicht am Rumpf, ohne die Schultern beim Schwimmen zu behindern
  • extra Überzieher für die Oberschenkel: eine Extraschicht, um die Motoren auf Betriebstemperatur zu halten
  • 2XU Compression Long Distance Suit: schwarz, eine Tasche, relativ lange Beine bis zum Knie
  • 2XU Ärmlinge: ausnahmsweise ohne Compression, dafür innen flauschig-warm
  • Gore Xenon Weste: Das Zeug ist genial. Die Xenon-Linie ist sehr eng und in Rennhaltung geschnitten. Im Grunde genommen ist die Weste so eng, dass normales Stehen ohnehin unmöglich ist und man die gebückte Haltung zwangsweise einnehmen muss. Quasi Compression ;-) Dafür flattert nix, und der Rumpf ist vorderseitig vor Wind und Regen geschützt. Die € 175,- haben sich für mich bereits gelohnt. (falls das zufällig ein Marketing-Mensch von Gore liest: Die Xenon-Jacke hätte ich auch wahnsinnig gerne. Falls Ihr eine zuviel haben solltet –> bitte danke)
  • Giro-Zipfelmütze mit Eigenbauvisier, Bontrager Triathlon-Schuhe ohne Überschuhe
  • unrasierte Hax’n FTW

Als Bike wählte ich trotz der Höhenmeter das Simplon Mr. T, welches ich von zigtausenden Trainingskilometern gewöhnt bin. Es ist ziemlich leicht, fährt sich traumhaft und es würde wohl auch einige Flachpassagen geben. Zwecks Gewichtsoptimierung wählte ich eine Sram Red Heldenkurbel statt der Dura Ace SRM-Kurbel (-200 g) sowie die leichten Xentis Mark1 High Modulus (-500 g); meine ersten Xentis und wie man in Embrun letztes Jahr sehen konnte immer noch eine Wucht. Auf den Garmin und jeglichen Pannen-Tand habe ich ebenfalls verzichtet.

Schwimmen: 1,2 km und 200 HM

That’s right. 1.000 m geradeaus, einmal um die (einzige und nicht leicht zu findende) Boje links herum und ans Ufer neben der Festspieltribüne. Leider ging es schnurstraks dorthin, woher der Wind kam – wer der Ansicht gewesen war, dass Österreich seit dem ersten Weltkrieg keinen Meereszugang mehr hat, wurde heute morgen eines Besseren belehrt. Was sich da phasenweise an Wellen auftürmte, hatte ich sonst nur in Port Elizabeth beim IM Südafrika erlebt. Einen bis eineinhalb Meter waren das locker, und noch dazu komplett unrhythmisch. Den Rest besorgte der tief fliegende Helikopter, dem das Wasser scheinbar noch nicht unruhig genug für seine Action-Szenen war. Jedenfalls blieben wie durch ein Wunder 600 Athleten geordnet an Land, anstatt bis zu den Wasserstart-Bojen vorzuschwimmen…

Das Schwimmen selbst glich mehr dem Überlebenskampf einer Katze in der Waschmaschine. Riesige Wellen von vorne, manchmal dicht hintereinander, dann plötzlich wieder eine kurze Pause. Die Boje konnte ich lange Zeit nicht richtig finden, es war mir irgendwann aber auch wurscht. Hauptsache rund um mich herum ein paar Lemminge, die wie ich den See austranken. Die letzten zehn Meter zur Boje waren die längsten; Wellen und Strömung leisteten ganze Arbeit. Irgendwann an Land hatte ich fast zwanzig Minuten gebraucht. Aber immerhin, selbst der Schnellste (Matthias Hecht) brauchte auch siebzehn. Ich bin mir sicher, wenn ich die 1.200 m durch alle Wellentäler flachziehe, kommen mindestens 1.500 m dabei heraus ;-)

Radfahren: 102 km und 2.500+ HM

Topografisch ist der Radkurs zweigeteilt. Die erste Hälfte besteht aus einem kurzen flachen Einrollen und drei gröberen Anstiegen inkl. einiger Wellen. Der zweite Part ist mehr oder weniger der Hochtannbergpass (1.675 m hoch) inkl. Abfahrt und Anfahrt nach Lech, wo die zweite Wechselzone und der Laufkurs warten.

Daheim in Klosterneuburg, wo wir doch auch so monumentale Anstiege von bis zu 250 HM haben, liest sich das Höhenprofil folgendermaßen: Flache Anfahrt, ein bisschen welliges Geplänkel, ein Berg mit sieben Prozent und dann bergab ins Ziel. Ein 23er Ritzel wird wohl reichen. Keine Lust, eine 25er Kassette zu kaufen.

Und überhaupt: Lieber schwerer Tritt als schweres Rad.

Fehler. Schwerer Fehler. Nach dem Schwimmen lief am ersten Berg eine Gruppe bestehend aus meiner Wenigkeit, Thomas Hellriegel, Wolfgang Teuchner, Reto Stutz und Clemens Coenen, die sich aber sogleich wieder zerlegte. Das ist einer der vielen positiven Aspekte dieses Rennens: Lutscherei und Gruppenfahren ist hier nicht. Zwar gibt’s Abschnitte, wo man in direktem Sichtkontakt fährt, aber irgendwie fährt dann doch jeder sein Ding.

Wolfgang packte sein Ding als Erster aus und fuhr nach vorne. Er kann an guten Tagen richtig fies drücken, wie ich in Hawaii schon erfahren musste. Inzwischen setzt aber der Berufsalltag auch ihm und seinem Training zu, sodass ich zuerst einmal mein Tempo weiterfuhr und abwartete, wie lange das gut gehen könnte. Thomas konnte ich dann auch irgendwann abschütteln, er musste das Rennen nach dem Radfahren dann aber auch leider aufgeben – die niedrigen Temperaturen am Pass waren zu schlimm für Hell on Wheels, der nur im Zweiteiler fuhr. Reto Stutz hatte ich eine Zeit lang noch im Visier, ehe er sich dann aber mit Radbestzeit über den Horizont davonmachte.

Hinauf auf den Pass fand ich einen guten Rhythmus, und in Schröcken konnte ich sogar Dominik Berger stellen. War das gut oder schlecht? Würde er sich mit der Streckenkenntnis im Hinterkopf für einen Scharfrichter schonen? Mir blieb jedenfalls nichts anderes über, als ums Überleben zu fahren.

Erraten, es waren keine sieben Prozent Steigung. Und so würgte ich meinen letzten Gang die paar wenigen Kehren zur Passspitze rauf. Wenn man mich eines Tages so auffinden würde, erfroren und mit Krämpfen in den Beinen, man würde sagen: “Er starb einen heldenhaften Tod. Er war ein Narr, aber charakterlich stark, denn er ließ sich nicht auf das niedrige Niveau einer Kassette mit Bergungswinde herab.”

Irgendwie hab ich’s dann doch drüber geschafft und konnte die Krampfansätze mit hohen Trittfrequenzen in der Abfahrt wieder rausfahren. Hier oben war’s richtig kalt. Yvonne Van Vlerken meinte, sie zitterte so stark, dass es ihr Bike komplett herumriss. Vielen anderen ging es wohl nicht viel anders.

Einen kurzen Anstieg später stieg ich in Lech als Vierter vom Rad.

Laufen: 12 km & einige HM

Die Laufstrecke bestand aus zwei Runden durch Lech, und entgegen der Ausschreibung war die Runde alles andere als flach. Gleich aus der Wechselzone raus gab’s einen Gruß aus der Küche in Form eines 150 m langen Schotteranstieges. Danach führte die Strecke weiter durch den Ort hinauf und hinunter, ehe sie in einem Schotter- und Waldweg mündete. Zahlreiche giftige Anstiege und leichte Krämpfe bei Bergablaufen sollten dafür sorgen, dass das wohl nicht der einfachste Lauf meines Lebens werden würde. Mir war’s jedoch wurscht – ich lief alleine im Niemandsland herum. Die Spitze drei Minuten weg, hinter mir ebenfalls nichts zu sehen. Also der Mutter keine Schand’ machen, die Sauconys nicht dreckig machen und das Ding runterbiegen.

Drei Kilometer vor dem Ende sah ich Matthias Hecht ca. 250 m vor mir bei der Wende. Jetzt wurde es noch einmal spannend. 250 m, das bedeutet ich müsste ungefähr 100 m pro Kilometer gutmachen, also etwa 20-25 Sekunden. Das wird wohl nichts mehr. Probieren wollte ich es trotzdem. Und tatsächlich, kurz vor dem Ziel war ich plötzlich dran und konnte mich noch auf das Podium vorarbeiten. An dieser Stelle muss ich dem Schweizer nochmal dafür danken, dass er mich zum Schluss so noch zur Laufbestzeit angetrieben hat. Genau solche Fights bis zur Ziellinie sind es, was für mich den Reiz kürzerer Rennen ausmacht. Danke an dieser Stelle auch an Sabine und Buxi für’s Mitnehmen zurück ins Tal sowie an den Veranstalter für dieses echt tolle und perfekt organisierte Rennen!

Unterm Strich stehen jetzt im August drei Podiumsplätze und ein reifenbedingter Ausfalls bei vier Starts zu Buche. Die Abkehr vom Langdistanz-Sport hat sich also durchaus bezahlt gemacht. Next stop: Cross-Triathlon Staatsmeisterschaft Wolfgangsee. Ein weiteres Rennen mit guten alten Erinnerungen :-)

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8 Antworten zu News: 3. Platz beim Trans-Vorarlberg!

  1. Sehr treffend geschildert und nochmals Glückwunsch zur tollen Performance. Durch unser Gespräch drinnen hast Du draußen die Flower-Zermonie verpasst :)
    Ich hatte mich auch schon verflucht, dass ich mit 39-25 bei deutlich über 10% irgendwie auf den Armpads stützend am Berg hing, aber als ich oben den ein oder anderen Kollegen mit Zeitfahrkurbel und 42-x fast vom Fahrrad habe fallen sehen, hat sich das auch wieder relativiert.
    Wenn’s Wetter passt, dann sehen wir uns hoffentlich am Wolfgangsee wieder, von Schweinewetterrennen habe ich 2012 genug …

  2. dendelion schreibt:

    Well done!
    Kannst stolz auf Dich sein.

  3. Tobias schreibt:

    Tolles Ergebnis und noch besserer Bericht! :-)

  4. Thomas Kofler schreibt:

    Hallo Max – toller Bericht und perfekte Leistung! Wir vom OK Team gratulieren dir auf jeden Fall für das Podium!

    LG Thomas Kofler

  5. Ruth Hagen schreibt:

    Hey Maxl Gratuliere nochmals das hast Du super hinbekommen :-) Sau lustiger Bericht!!
    Gruss Ruth

  6. Steffy schreibt:

    Genialer Bericht; Gratuliere zu den ‘Serienerfolgen’ – cool, dass du wieder ‘voll dran’ bist!!

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