Wie alles begann

Schwimmen ist das mit dem Wasser?!?

Ich konnte wieder einmal nicht meine blöde Klappe halten: Im Herbst 2005 – ich genoss gerade meine Leistungssport-Frühpension – saßen wir im Rahmen der Themenplanung für den Mountainbike-Revue Jahrgang 2006 beisammen und konferierten über die möglichen Stories der nächsten 12 Monate. Ein Himmelfahrtskommando sollte dabei sein, doch bloß wer, wann, wie und wo? Crocodile Trophy, Transalp auf der Straße und am MTB, MTB-Tandem-Race,… alles schon getan. Triathlon, das wär’ doch was, das boomt und hat entfernt auch was mit Radfahren zu tun, war man sich einig. “Klar”, warf ich ein. “Aber wenn, dann schon gescheit. Ironman oder gar nicht!” fügte ich grinsend dazu, nicht wissend, wie lang das nun wirklich ist. Mein größter Fehler war allerdings anzunehmen, dass irgendwer anderer als ich dafür eingeteilt wird…

Erster Gedanke: No way, ich habe nicht mit MTB-Leistungssport aufgehört, um jetzt ein halbes Jahr später erst recht wieder mit dem Training zu beginnen. Und schon gar nicht für einen Sport, bei dem man schwimmen und laufen muss und Männer in den alten Bikinis ihrer Freundinnen herumlaufen.

Zweiter Gedanke (einige Tage später): Nun gut, immerhin hätte ich wieder ein Ziel vor Augen, einen durch einen Trainingsplan reglementierten Tagesablauf, ein System. Vielleicht also doch…

Dritter Gedanke (erneut einige Tage später): WAS? WIE LANG IST EIN IRONMAN?!??!? NO WAY! Sowas Langes mache ich sicher nicht. Und schon gar nicht im Bikini. [Wiederholung von ersten und zweiten Gedanken]

Aquafitness für Bleienten: Sascha Hartl brachte mir die Grundtechniken des Schwimmens bei.

Nach langem Zögern war es im Endeffekt die freudige Zusage meines früheren MTB-Trainers Dieter Simon, mich wieder zu trainieren, die mich einwilligen ließ. Anfang Dezember begann ich wieder zu trainieren, etwas mehr als sieben Monate bis zum Big Day in Kärnten. Schwimm-Vorerfahrung? Nichts, nada, zero. Laufen? Nur wenn ich zum Bus musste. Ideale Vorzeichen also…

Unterwegs im Auftrag des Herren: Was Triathlon braucht, ist Style!

Erschwerend kam hinzu, dass ich im Rahmen der MBR-Story keine IM-spezifischen Wettkämpfe machen durfte. also keine Triathlons, keine 3,8 km Schwimm-Wettkämpfe, keine 180 km Radrennen und vor allem keinen Marathon laufen. Meine Hassliebe zum Schwimmen wirkte sich entsprechend auf meinen Trainingseifer aus, bis zum IMA 2006 hatte ich das Becken keine 30 h gesehen. Beim Laufen stellte sich der Spaß früher ein, auch wenn ich ab April mit immer stärkeren Beinhautproblemen zu kämpfen hatte.

Um nicht komplett ins kalte Wasser zu springen, beugte ich die Spielregeln etwas und startete ein Monat vor dem IMA bei der Mitteldistanz-ÖM in Litschau. Meine Premiere war katastrophal. Beim Schwimmen wäre ich mit Treiben-lassen vermutlich schneller gewesen. Am Rad machte ich viel gut, ließ aber auch dementsprechend Federn. Der abschließende Halbmarathon war die Hölle auf Erden, von Krämpfen über Verdauungsprobleme bis zur kompletten Explosion bei KM 11 war alles dabei. Doch diese Sportart hatte mich längst in ihrem Bann gefangen …

Der IMA war nicht viel anders: Mieses Schwimmen, toller Radsplit mit anschließendem Eingehen auf den letzten 50 km und ein solider Marathon mit Eintritt in transzendente Bewusstseins-Sphären ab KM 25. Zeit im Ziel: 09:09:48, eine Stunde schneller als ich es mir je zugetraut hätte! Klassensieg und Hawaii-Ticket gelöst. Der Rest ist Geschichte…

Nach 25 km ist der Akku leer und ich betrete bisher unbekannte Bereiche meines Bewusstseins. Stylefaktor: Sehr gering.

Im Ziel kann ich es gar nicht fassen. Jetzt eigentlich noch immer nicht. Ein Augenblick, der meine Zukunft verändern sollte.